Rundum Nachwuchsförderung

Nachfolgend finden Sie Artikel rund um das Thema Nachwuchsförderung, Interviews mit ehemaligen Presiträgern und spannende Einblicke in die Nachwuchsarbeit von Vereinen.

Quelle: BG Göttingen
Quelle: BG Göttingen

Ben Lemmer spielt mit den Juniors der BG Göttingen in der Nachwuchsbundesliga NBBL. Im Interview schwärmt der 18-Jährige von dem neuen Trainingszentrum des Basketballvereins…

Was zeichnet die Nachwuchsarbeit in Göttingen aus?

In erster Linie natürlich das neue Basketball-Zentrum, in dem wir sehr professionelle Bedingungen vorfinden. Unser Training ist dem der Profis schon sehr ähnlich. Wir können den Kraftraum im angeschlossenen ‚Athleticum‘ nutzen, ebenso wie die Wurfmaschinen in der Halle. Das haben andere Vereine einfach nicht.

Inwieweit hat das euren Trainingsalltag verändert?

Einer der größten Unterschied zu vorher ist, dass alles an einem Ort ist. Früher haben wir in vier verschiedenen Hallen trainiert. Das machen wir jetzt alles im Basketball-Zentrum. Wir haben auch mehr Platz und können jederzeit zum Training kommen.

Was macht für dich den Reiz am Basketball aus?

Wichtig ist für mich, dass es ein Teamsport ist, Individualsportarten sind nichts für mich. Basketball bedeutet Schnelligkeit und Athletik. Es macht Spaß, sich Basketball anzuschauen und für ein Team zu spielen. Basketball hat mir auch beigebracht, meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Wenn man fünf Mal in der Woche trainiert, dann hat man nicht immer Bock. Wenn man sich dann aber selber motiviert, entwickelt man sich auch persönlich weiter. Ich bin auch im Schulalltag ausgeglichener, wenn ich regelmäßig trainiere.

Welche Ziele hast du dir für deine Karriere gesetzt?

Ich wusste schon früh, dass es bei mir wahrscheinlich nicht für eine Profikarriere reichen wird, weil mir die körperlichen Voraussetzungen fehlen. Mein Ziel ist es, in der höchstmöglichen Liga spielen zu können. Wenn es sich für mich ergibt, würde ich in Göttingen in der Regionalliga spielen, weil ich mich da mit sehr guten Spielern messen kann. Ich will jedoch auch spielen, nicht nur auf der Bank sitzen. Dafür würde ich dann auch in einer tieferen Liga auflaufen.

Welchen Rat bzw. Tipp würdest Du Kindern mitgeben, die eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben?

Ohne Training läuft natürlich gar nichts. Außerdem sollten Kinder ihrem Trainer gut zuhören und nicht versuchen, mit ihm zu diskutieren. Er ist der Trainer und weiß viel mehr über den Sport. Ich habe auch immer viel Basketball geschaut - nicht nur Bundesliga oder Euroleague, sondern auch die Jugendspiele. So weiß man, was auf einen zukommt und auf welches Niveau man kommen kann.

Quelle: Medienmannschaft

 

Skateboarding galt stets als  reine Funsportart für die Freizeit, hat jetzt aber olympischen Status erreicht und ist 2020 in Tokio erstmals Teil der Spiele. Die Berlinerin Julia Kühne gehört zum Nachwuchskader der Nationalmannschaft. Sie kam einst über Youtube zum Skateboarding und erlebt bereits ein gestiegenes Interesse.

Wer den Suchbegriff ‚Skateboard‘ bei Youtube eingibt, kann sich tagelang durch die abertausend Ergebnisseiten scrollen. Einige Clips haben nur wenige hundert Aufrufe, die Videos der Szenengrößen knacken hingegen immer wieder die Millionengrenze. Auf diesem Weg fand auch Julia Kühne einst zum Skateboarding. „Ich habe bei Youtube die Tricks gesehen, mir ein billiges Skateboard gekauft und einfach angefangen“, erinnert sich die heute 21-Jährige. Später schloss sie sich dem 1. Berliner Skateboardverein an und gehört nun keine zwei Jahre vor der olympischen Premiere ihrer Sportart zum Nachwuchskader der Sportkommission für Skateboarding und Longboarding (SKSLB).

2020 in Tokio wird die ehemalig reine Freizeitsportart erstmals im Programm des bedeutendsten Sportevents der Welt stehen. Insgesamt 80 Skateboarderinnen und Skateboarder werden in Japan teilnehmen. Für das Skateboarding - eine von sieben Rollsportarten im Deutschen Inline und Rollsport Verband (DRIV) - bricht damit eine neue Zeitrechnung an. In einer Sportart, die von der Straße kommt, werden Strukturen und Förderkader geschaffen; auch eine Trainerlizenz unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird nun erstmals angeboten.

Für Kühne sind die Olympischen Spiele in Japan jedoch noch weit weg - nicht nur zeitlich, auch gedanklich. „Ich denke darüber noch nicht so viel nach, das wäre mir im Moment zu viel Druck“, gesteht die Berlinerin ein. Während Sportarten wie Leichtathletik oder Hockey auf dem Wettkampf beruhen, waren sich die Skateboarder lange selbst genug. „Bevor ich mit Wettkämpfen anfing, gab es keinen Leistungsdruck“, beschreibt Kühne, „Jetzt ist er da, und wenn ich dort gut sein will, muss ich mich anstrengen und anders skaten.“ Der olympische Wettkampf widerspricht auf den ersten Blick der Lockerheit und Unbeschwertheit der Straße. Für das Skateboarding stellt sich mit der Aufnahme ins Olympische Programm dadurch auch eine Identitätsfrage.

Auch die erst 2017 gegründete Sportkommission Skateboarding und Longboarding steht vor diesem Balanceakt. „Skateboarding bleibt Subkultur und ist gleichzeitig Sport“, hält das Gremium fast trotzig fest. Olympia sei „der kleinste, gemeinsame Nenner“ gewesen, der Impuls für die Gründung. Seitdem wurden erste Strukturen mit Blick auf Olympia geschaffen: Elf Skateboarderinnen und Skateboarder gehören in diesem Jahr dem so genannten Perspektivkader der SKSLB an; neun weitere Talente - darunter auch Kühne - sind Mitglied im Nachwuchskader der Nationalmannschaft. Jürgen Horrwarth (Männer) und Yvonne Labedzki (Frauen) kümmern sich als Bundestrainer um die Kaderskater.

Die Trainingsplanung und Wettkampfvorbereitung läuft jedoch anders als in vielen Sportarten ab. „Früher bin ich einfach eine Session gefahren und habe hier und da einen neuen Trick gelernt, heute nennt sich das trainieren“, schmunzelt Kühne, die unlängst mit der Nationalmannschaft zum Trainingscamp in den Niederlanden war. „Wir können uns auf Trainingsreisen schon ein paar Tipps geben lassen, was bei privaten Skatesessions nicht geht, aber ansonsten ist der Begriff Training relativ.“ Abgesehen von gemeinsamen Aufwärmübungen absolviert auch bei den Kadermaßnahmen jeder ein eigenes Programm.

Der Grund ist einfach: Die Tricks sind im Skateboarding für die Wettkämpfe zwar - vergleichbar zum Snowboarding - nach Punkten gerankt, aber für jeden nur individuell zu erlernen. „Jeder Skater ist anders, daher kann nicht jeder dasselbe trainieren“, erklärt Kühne. Welche Tricks sie lernen will, entscheidet sie wie viele Skater aus dem Bauch heraus: „Ich sehe Tricks und wenn ich einen gerne selbst machen würde, versuche ich, mir diesen Trick abzugucken.“

Ein geregeltes Trainingsprogramm hat Kühne daher nicht - was aber nicht heißt, dass sie keine Zeit investiert. „Wenn ich eine Session fahre, stehe ich auch mal den ganzen Tag auf dem Board - am Wochenende können das dann schon zwölf oder dreizehn Stunden sein“, sagt sie. Bei Wettkämpfen startet sie in der Disziplin Street, es gibt insgesamt sechs verschiedene Kategorien. „Für mich ist es immer noch aufregend, bei Wettbewerben zu starten, weil das einfach etwas anderes ist, als mit Freunden zu fahren“, verrät die 21-Jährige. Bei der Exposure Skate 2018, einem der wichtigsten Skateboard-Events für Frauen, wurde sie Anfang November Fünfte in ihrer Disziplin.

Die Aufnahme ins Olympische Programm hat das Skateboarden aus ihrer Sicht bereits verändert. „Vorher waren die Skater eher eine Gruppe für sich, aber jetzt haben Menschen mehr Interesse daran“, berichtet Kühne. Während viele junge Leichtathleten, Ruderer und Turner von Olympia träumen, ist die Stimmung bei den Skateboardern gemischt. Die Aufnahme, glaubt Kühne, „wird eine neue Generation an Skatern hervorbringen, aber es wird auch immer die geben, die sich nicht mit Olympia identifizieren, und einfach weiterhin ihr Ding machen.“

Ob Skateboarding weiterhin für beide Gruppen eine Heimat bieten kann, wird sich zeigen. „Ich muss für mich selbst auch noch herausfinden, wie ich eine Grenze zwischen meinem eigentlichen Skaten und den Wettbewerben ziehen kann“, sagt auch Kühne. Mit der Vorbereitung auf die Wettkämpfe sei es „wie in einem richtigen Sportverein - und mit diesem Prinzip muss ich mich erst wieder anfreunden.“ Denn auf der anderen Seite  steht der Reiz der Freiheit. „Viele finden es interessant, dass ein Skater in einer gewissen Art und Weise unabhängig und frei von typischen Normen ist“, glaubt die Berlinerin. Ein Problem sieht sie in diesem Balanceakt allerdings nicht. „Es ist genügend Platz für alle.“

Quelle: Medienmannschaft

Quelle: SC Miesbach
Quelle: SC Miesbach

Der SC Miesbach wurde 2018 mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung‘ ausgezeichnet.  Einer, der sich intensiv um die Ausbildung der jungen Snowboarder kümmert, ist Andi Polke. Der Trainer spricht im Kurzinterview über die Nachwuchsarbeit im Verein…

Was zeichnet die Nachwuchsarbeit beim SC Miesbach aus?

Das Training basiert auf Freiwilligkeit, es wird kein Druck aus Vorstandschaft und vom Trainer ausgeübt. Wir bieten vielmehr ein vielseitiges, spaßorientiertes Trainingsangebot im Sommer und Winter an. Es ist kein reines Kraft- oder Ausdauertraining, sondern alles integriert in snowboardspezifischen und vor allem spaßorientierten Sportarten, um viele, unterschiedliche Bewegungserfahrungen zu sammeln. Ebenso bieten wir jährlich ein Nachwuchscamp für die Kids an, bei dem jeder im wettkampforientierten Snowboardsport schnuppern kann.

Gibt es noch weitere Faktoren?

Ich würde gerne insbesondere die sehr gute Zusammenarbeit mit umliegenden Schulen hervorheben. Wir haben eine Sportarbeitsgemeinschaft sowie ein Wahlkursangebot am Gymnasium Bad Tölz und richten Schulwettbewerbe in Zusammenarbeit mit den Schulen
aus, wo wir immer wieder lokale Talente sichten und den Snowboardsport multiplizieren können. Die Zusammenarbeit mit dem Snowboardverband Bayern ist ebenfalls sehr gut. Wir machen teils Training und Events zusammen, was die Kids sehr motiviert, weil sie mit ihren Vorbildern unterwegs sein können.

Wie schwierig ist es bei der Wintersportart Snowboard, die Kinder und Jugendlichen auch im Sommer bei der Stange zu halten?

Wir lassen ihnen den Freiraum, auch in anderen Sportarten und Vereinen zu sporteln. Wir bieten zudem skaten, wakeboarden, mountainbiken und klettern sowie immer mal wieder ein Kite- und Surfcamp an.

Wie haben Sie die Entwicklung in den vergangenen Jahren erlebt - ist es schwieriger geworden, Kinder für den Vereinssport zu begeistern?

Nein, das ist es nicht - wenn sie Spaß haben, in der Gruppe unterwegs zu sein und sich Freundschaften entwickeln. Es ist aber wichtig, keinen Druck zu machen!

Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie Kindern und Jugendlichen mitgeben, die eine sportliche Karriere anstreben?

Spaß beim Training haben und sich nicht selbst oder von Außenstehenden unter Druck setzen lassen. Außerdem ist es meiner Ansicht nach sinnvoll, vor allem in jungen Jahren viele verschiedene Sportarten und alle deren Facetten auszuüben.

Quelle: Medienmannschaft

Quelle: TC submarin Pößneck e.V.
Quelle: TC submarin Pößneck e.V.

Enrico Pohl gehört zu den großen Talenten des TC submarin Pößneck, der 2018 mit dem ‚Grünen Band‘ ausgezeichnet wurde. Im Interview spricht der Finswimmer über den Reiz der Geschwindigkeit im Wasser.

Was macht die Nachwuchsarbeit in Pößneck aus?

Die Nachwuchsarbeit zeichnet sich durch den Einsatz vieler verschiedener Trainingsmethoden aus. Unser Training erfolgt in drei Trainingsgruppen, so können die Trainer bestmöglich auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen. Der Zusammenhalt wird aber nicht nur durch das gemeinsame Training, sondern auch durch zahlreiche Veranstaltungen wie Zelt- und Kanulager gestärkt.
 
Was ist der Reiz am Finswimming und Tauchen?

Finswimming ist für mich durch die Geschwindigkeit sehr besonders. Diese Sportart ist die schnellste im Wasser, bei der man sich aus eigener Muskelkraft bewegt. Das Tauchen ist für mich sehr reizvoll, da ich von der Unterwasserwelt fasziniert bin. Außerdem mag ich das Gefühl der Schwerelosigkeit, was mir durch das Tauchen vermittelt wird.
 
Wie bist du bei dieser Sportart gelandet?

Als ich in der 1. Klasse war, wurde ich von einem damaligen Freund zu einem Probetraining eingeladen. Ich war sofort von den Bewegungsabläufen begeistert; bei den damals ‚großen’ Sportlern sah ich die Geschwindigkeit und die Wellen, die sie durch das ganze Becken zogen. Mir wurde gleich klar, dass ich das auch will, und meine Begeisterung ist seit nunmehr über elf Jahren nicht abgeflacht.
 
Was ist dein größter Erfolg bisher - und was willst du noch erreichen?

Meine größten Erfolge bisher sind fünf Weltcup-Medaillen. Mein Ziel für die Zukunft ist, dass ich weiterhin bei den Junioren auf den oberen Plätzen mitmischen kann. Ein Wunsch, für den es sich außerdem zu kämpfen lohnt, ist die Nominierung für die Nationalmannschaft.
 
Welchen Rat würdest du Kindern für ihre sportliche Karriere geben?

Es gibt für jeden Sportler gute und auch schwierige Zeiten; jeder hat ab und zu keine Motivation mehr. Um erfolgreich zu sein, muss man seinen ‚inneren Schweinehund’ überwinden und sich dazu durchringen, trotzdem sein Bestes zu geben. Ein wichtiger Bestandteil des Trainings ist es, jedes Mal zu versuchen, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen, um im Wettkampf neue Bestleistungen erzielen zu können. Es ist aber auch wichtig, niemals den Spaß am Sport zu verlieren, denn dieser bildet oft die Grundlage für die Motivation, immer besser zu werden und durchzuhalten.

Quelle: Medienmannschaft

Quelle: Privat
Quelle: Privat

Sie gehört zu den großen deutschen Talenten im Speerwurf: Julia Ulbricht vom 1. LAV Rostock wurde in diesem Jahr mit einer Weite von 51,63 Metern Deutsche U20-Meisterin. Im Interview spricht die Schülerin über den Titel in ihrem Heimstadion und die Nachwuchsarbeit in Rostock. Der Verein wurde 2018 mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung‘ ausgezeichnet.

Julia, was zeichnet die Nachwuchsarbeit in Rostock aus?

Das Training ist sehr spezifisch, die Trainer gehen gut auf einen ein, und es gibt verschiedene Trainingsgruppen und Angebote im Verein. Ich bin in der Trainingsgruppe „Speerwurf“ und wir trainieren sehr individuell nach unseren Bedürfnissen. Ich kann zudem jeden Tag trainieren und habe zusätzlich noch dreimal Frühtraining. Es ist also eine sehr intensive Förderung.

Was war dein schönstes Erlebnis mit dem Verein?

Die Deutsche Meisterschaften haben dieses Jahr in Rostock stattgefunden, unser Verein hat es mitorganisiert. Das fand ich persönlich sehr cool - und umso schöner, weil ich den Titel in meinem Heimstadion holen konnte. Ansonsten sind wir öfters im Trainingslager, das finde ich auch gut.

Welcher Erfolg bedeutet dir am meisten?

Ich bin Vierte bei der U18-Weltmeisterschaft 2017 in Kenia geworden. Das ist international mein größter Erfolg bisher. Ich war dieses Jahr zwar auch bei der WM, habe da aber nicht so gut abgeschnitten - auch, weil ich dieses Jahr mit einem neuen Gerät, einem schwereren Speer, werfe und nicht die beste Saisonvorbereitung hatte. Es war daher sehr, sehr positiv, dass ich überhaupt zur WM mitfahren durfte. National bedeuten mir die Deutschen Meistertitel am meisten.

Welche Ziele möchtest du noch erreichen?

Nächstes Jahr würde ich gerne zur U20-Europameisterschaft in Schweden fahren. Mein größtes Ziel, in ganz ferner Zukunft, ist dann die Teilnahme an Olympia. Das ist ein Kindheitstraum - seit ich mit Leichtathletik angefangen habe, möchte ich das erreichen.

Und das ist den großen Zeitaufwand auch wert?

Ja, auf jeden Fall! Leichtathletik an sich macht mir einfach Spaß. Es geht mir nicht nur um die Leistung, ich mache es einfach gerne. Wenn man dabei erfolgreich sein kann, ist es natürlich umso toller. Ich glaube, ich habe auch eine gute Perspektive, solange ich verletzungsfrei bleibe.

Welchen Rat bzw. Tipp würdest Du Kindern mitgeben, die ebenfalls eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben?

Man muss ehrgeizig sein und an sein Ziel glauben!

Quelle: Medienmannschaft

Quelle: Privat
Quelle: Privat

Alexander Brandl und Andreas Steger gehören zu den großen Nachwuchstalenten im Kunstradfahren. Im Mai wurde das Duo Deutscher Meister bei den Junioren. Im Interview spricht Brandl über den Reiz seiner Sportart und das Training von spektakulären Figuren.

Was zeichnet die Nachwuchsarbeit in Schleißheim aus?

Es geht viel um das Vereinsleben. Wir haben einen Kinder- und Jugendausflug, der sehr gut besucht ist und auch viele Veranstaltungen wie Fahrradrallyes, um den kleineren Sportlern ein Event zu bieten. Auch bei den Vereinsmeisterschaften stehen sie im Vordergrund.

Was macht für dich den Reiz am Kunstradfahren aus?

Ich habe es damals im Rahmen des Ferienprogramms der Oberschleißheimer Vereine in den Sommerferien ausprobiert und es hat mir sehr gut gefallen. Was mich dabei gehalten hat, ist die Vielseitigkeit. Man ist in allen Bereichen gefordert - Kraft, Koordination, Technik und Ausdauer - und es gibt viele verschiedene Übungen.

Bei einer der akrobatischen Übungen stellt sich dein Partner auf deine Schultern. Wie trainiert man eine solche spektakuläre Figur?

Das haben wir zuerst viel am Boden geübt - zunächst im Sitzen. Andi ist auf meinen Schultern aufgestanden und hat sich wieder hingesetzt. Als das funktioniert hat, haben wir es im Gehen probiert und versucht, Sicherheit reinzubringen. Ist das gelungen, geht es auf das Fahrrad - und dort wird eine Übung Schritt für Schritt bis zu den wirklich schweren Figuren aufgebaut. Bei anderen Vereinen wird so etwas oft in der Lounge trainiert, wobei der obere Partner an ein Seil angehängt wird, aber damit hat sich Andi nicht wohlgefühlt.

Was wollt ihr noch erreichen?

Ganz in der Ferne ist natürlich der Weltmeistertitel der Elite der große Traum. Das geht aber erst ab 19 Jahren, daher ist im nächsten Jahr die Qualifikation für die Europameisterschaft das Ziel. Außerdem findet natürlich jedes Jahr die Deutsche Meisterschaft statt. Wir wollen natürlich immer so gut abschneiden wie möglich und unser Programm bestmöglich zeigen. Mit jedem Turnier sammelt man Erfahrung.

Welchen Rat bzw. Tipp würdest Du Kindern mitgeben, die ebenfalls eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben?


Es ist wie bei jeder anderen Sportart auch: Das einzige, was hilft, ist trainieren und am Ball bleiben. Wer dabei bleibt und am meisten trainiert, hat gute Chancen, weit zukommen.

Quelle: Medienmannschaft

Bild: HSG
Bild: HSG

Alicia Stolle reifte bei der HSG Blomberg-Lippe zur Nationalspielerin. Der Handball-Bundesligist ist für seine Nachwuchsarbeit bekannt, 2017 gewann er das „Grüne Band für vorbildliche Talentförderung“. Die 21 Jahre alte Linkshänderin sprach im Interview über die Nachwuchsarbeit der HSG und ihre Ziele.

Was zeichnet die Jugendarbeit in Blomberg aus?

Ich denke, als junge Spielerin ist es eine der besten Möglichkeiten, die man hat, nach Blomberg zu gehen. Ich kann auch und gerade für mich sprechen: Ich bin als junge Spielerin zur HSG gewechselt und durfte das erste Jahr in der A-Jugend und der Bundesliga parallel spielen. Junge Spielerinnen bekommen in Blomberg ganz früh die Chance, in der Bundesliga Spielanteile zu bekommen. Besonders unser Trainer Andre Fuhr fördert junge Spielerinnen und hat ein gutes Händchen dafür. Mit der A- und B- Jugend erreichen wir auch öfter die Final-Four-Turniere. Blomberg ist ein gutes Pflaster für junge Spielerinnen, um sich zu entwickeln.

Wie eng ist der Kontakt zwischen Bundesliga und Jugendbereich?

Die HSG ist wirklich ein Verein - es fängt in den Minis an und geht bis zur Bundesliga. Wir von der Bundesligamannschaft übernehmen auch Patenschaften von den Minis bis zur C-Jugend und einige von uns Spielerinnen sind auch als Trainerinnen engagiert. Man merkt, dass der Verein sehr zusammensteht.

Was ist der Reiz am Handball?

Für mich ist Handball einfach eine richtig geile Sportart! Es ist pure Leidenschaft, Spaß am Spiel, Kampf, Ehrgeiz und Motivation. Klar geht es auch mal ein bisschen härter zur Sache, aber das macht den Sport interessant.

Was ist dein größter Erfolg bisher - und was willst du noch erreichen?

Mein persönlich größter Erfolg ist natürlich, dass ich schon in so jungen Jahren meine Spiele in der A-Nationalmannschaft machen durfte - und auch schon eine EM und eine WM gespielt habe. Ich denke auch gerne an die Erfolge in der Jugend. Wir sind Deutscher Vize-Meister geworden und haben das Final Four erreicht. Das sind natürlich Highlights. Das einzige, was mir noch fehlt, ist ein Titel (schmunzelt). Ich hoffe natürlich, dass ich den noch irgendwann gewinnen kann…

Welchen Rat bzw. Tipp würdest du jungen Talenten für ihre sportliche Karriere mitgeben?

Es wichtig, nie den Spaß an der Sache zu verlieren und immer mit Freude am Ball zu bleiben. Wenn es mal nicht so gut läuft, muss man einfach weiter an sich arbeiten - und immer an seine Träume und Ziele glauben.

Quelle: Medienmannschaft

Bild: Jan Gaspari privat
Bild: Jan Gaspari privat

Billard ist für die meisten Menschen ein Funsport - an der Bottroper Billard Akademie e.V. ist das Spiel mit den bunten Kugeln hingegen viel mehr. Eines der größten Talente des nordrhein-westfälischen Vereins, der 2017 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ ausgezeichnet wurde, ist Jan Gaspari. Der Deutsche U17-Meister von 2016 spricht im Interview über seine Sportart und seinen großen Traum…

Jan, was zeichnet die Nachwuchsarbeit in der Billard-Akademie aus Deiner Sicht aus?

Die Nachwuchsarbeit in der Bottroper Billard Akademie hat einfach eine große Bedeutung. Es ist einfach klasse mit anzusehen, wie Kinder und Jugendliche gefördert werden. Ich persönlich habe das Gefühl, auch nicht der einzige zu sein, der Talent hat. Wenn das so weitergeht - das denke ich mit großer Überzeugung - bin ich demnächst nicht mehr der einzige, der an großen Wettbewerben teilnehmen wird.

Warum hast Du Dich für Billard entschieden?

Ich war schon immer ein sehr ruhiger Typ, der sich voll und ganz auf etwas konzentrieren konnte. Das erste Mal Billardspielen hat mich sehr fasziniert und beeindruckt, sodass es mir Jahre später immer noch Riesenspaß gemacht hat. Heute ist es meine Leidenschaft.

Was ist der Reiz an der Sportart?

Es gibt verschiedene Reize in der Sportart. Zum einen hat man die Möglichkeit, eine Menge Menschen kennenzulernen, aber man hat zudem auch die Möglichkeit, in Turnieren etc. viel Geld zu gewinnen. Kleinere Reize - wie gesponsert zu werden und den Namen vom Sponsor auf der Brust zu tragen - gehören auch dazu.

Was ist bisher das Highlight in Deiner Karriere gewesen - und warum gerade dieses Erlebnis?

Das größte Highlight in meiner Karriere war 2016, als ich mit 14 Jahren meine erste Deutsche Jugend-Meisterschaft gespielt habe - und direkt meinen ersten Titel in der Altersklasse U17 gewonnen habe.

Was ist Dein sportliches Ziel?

Mein größtes Ziel ist es, irgendwann groß rauszukommen und viel Erfolg zu haben. Ein Traum ist es auch, Geld damit zu verdienen, doch das bleibt vielleicht immer nur ein Traum.

Welchen Rat bzw. Tipp würdest Du Kindern mitgeben, die ebenfalls eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben?

Mein Rat ist es, so viel wie möglich zu trainieren - aber ohne, dass die Schule darunter leiden muss oder vernachlässig wird!

Interview: Frank Schneller (Medienmannschaft)

Bild: Ingo Peters
Bild: Ingo Peters

Die Schwimmer des SV Würzburg 05 wurden 2016 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“ ausgezeichnet. In Thomas Lurz steht ein Welt- und Europameister an der Vereinsspitze. Im Interview spricht er über sein Engagement.

Wie wurde das Preisgeld investiert?


Das Preisgeld haben wir in den Nachwuchs investiert, da er die Basis der Vereinsarbeit ist sowie in den Bundesstützpunkt Freiwasserschwimmen, der ja auch in Würzburg ist. Konkret bedeutet das Unterstützung von Trainingslagern, Wettkämpfen und den Rahmenbedingungen.

Was zeichnet die Nachwuchsarbeit aus?

Wir haben sehr gute Rahmenbedingungen, was das Schwimmbad und Know-how im Trainerteam angeht sowie tolle Vorbilder, da es uns immer wieder gelingt, eigene Athleten aufzubauen, die es bis zu den Olympischen Spielen schaffen. Das motiviert natürlich alle jungen Sportler. Zudem versuchen wir, wenn notwendig, in der Schule zu unterstützen, denn uns ist es sehr wichtig, auch hier gute Ergebnisse zu erzielen.

Welche Ziele verfolgt der Verein?


Sportlich wollen wir es immer wieder schaffen, Athleten zu den Olympischen Spielen zu bringen. Wir sind aber auch ein Verein mit 2900 Mitgliedern und daher steht auch der Breitensport im Mittelpunkt, ohne den es keine Spitzensportler - und umgekehrt - gäbe. Außerdem ist es auch die Aufgabe eines Vereins, Jugendliche aufzunehmen und ihnen den Sport näher zu bringen, in dem man sehr viel für das spätere Leben lernt.

Warum haben Sie das Amt des Vereinspräsidenten übernommen - und welche Aufgaben haben Sie?


Ich wollte dem Verein einfach etwas zurückgeben. Ohne meinen Verein hätte ich niemals den Erfolg gehabt - dazu gehören die super Rahmenbedingungen genauso wie die vielen ehrenamtlichen Helfer. Ich akquiriere in erster Linie Sponsoren und nutze dazu mein Netzwerk, das ich in meiner Karriere aufgebaut habe. Das funktioniert gut. Ich verfolge aber natürlich auch den Sport und motiviere die Jugend, am Ball zu bleiben.

Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie jungen Talenten für ihre sportliche Karriere mitgeben?


Sich ein Ziel zu suchen und das mit Leidenschaft, Wille sowie Disziplin zu verfolgen. Man bekommt nichts geschenkt, aber das ist gerade das Schöne am Sport. Am Ende ist die Freude und Zufriedenheit viel größer, je schwieriger die Aufgabe war. Man darf niemals aufgeben und muss bei Niederlagen einmal mehr aufstehen als die Konkurrenz - dann kann wenig schief gehen, wenn man seine Stärken kennt.

Interview: Frank Schneller (Medienmannschaft)

Bild: FoP
Bild: FoP

Wie entwickelt man Talente eigentlich gut? Welche Rolle spielt das soziale Umfeld? Und welchen Raum nimmt der Spaß am Sport bei der Talententwicklung ein?

Martin Weddemann hat an der Universität Paderborn angewandte Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Gesundheit studiert. Als selbstständiger Consultant und Agent arbeitet er im Spezialgebiet Talent Development. Er ist zwar in der Welt des Fußballs zuhause, doch hat er auch schon häufig über den Tellerrand und in viele andere Disziplinen hineingeschaut. Sein Hauptaugenmerk: Junge Sportlerinnen und Sportler mit dem Potenzial und dem Ziel, es weit zu bringen. Seine Vorstellung davon, wie junge Talente betreut und begleitet werden sollten, ist daher nicht fußball-spezifisch, sondern beinhaltet viele allgemein gültige Ansätze.

Im Sport geht es zunehmend ums Geld. Nicht nur im Fußball werden große Summen umgesetzt. Wie entwickelt man in solch einem Umfeld überhaupt Talente? Gibt es eine Erfolgsformel für junge Talente?

Nein, pauschale Erfolgsformeln und -Rezepte gibt es leider nicht, da jede Karriere und deren Verlauf höchst individuell verläuft. Viele erfolgreiche Karrieren zeigen allerdings, dass man die Komponente Glück nicht unterschätzen sollte. Glück kann man nicht planen, aber man kann eine Menge dafür tun, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Seriöse Vorbereitung ist entscheidend, denn letztlich ist Glück oft nichts anderes als Bereitschaft, die auf Gelegenheit trifft. Man muss bereit und vorbereitet sein, wenn die Gelegenheit kommt. Ein gutes Umfeld kann definitiv helfen, diese Gelegenheiten zu antizipieren und rechtzeitig zu erkennen. Die Bereitschaft, diese Gelegenheit auch zu nutzen, hängt dann stark von der internalen Motivationslage des Talents ab, die wiederum auch stark vom direkten sozialen Umfeld geprägt und in der frühen Kindheit und Jugend maßgeblich entwickelt wird.

Welche Rolle spielt das direkte soziale Umfeld?

Das Umfeld kann – sportartunabhängig – die schwächste Stelle im System sein und zum limitierenden Faktor werden. Das reine Training der athletischen, technischen und taktischen Komponenten ist natürlich essentiell aber eben nicht alleine ausschlaggebend, ob es ein Talent nach ganz oben schafft. Es kommen immer noch weitere Faktoren wie das direkte sozio-kulturelle Umfeld, internale Motivation, gute Trainer und die richtige Einstellung des Athleten dazu, um im Hochleistungssektor Spitzenleistungen abrufen zu können.

Können Sie diese Faktoren näher erklären?

Ich betrachte ein Talent und sein direktes Umfeld immer aus einer sozialpsychologischen, einer pädagogischen und einer athletischen Perspektive, wobei die Entwicklung der letzteren viel von der Qualität der Trainer abhängt und weniger als die ersten beiden Perspektiven durch direkte Intervention beeinflusst werden kann. Daher werde ich hier ausführlich nur auf die ersten beiden Komponenten eingehen.

Dieser sozialpsychologisch-pädagogische Blickwinkel aber wird in der Öffentlichkeit und in den Medien so gut wie gar nicht thematisiert.

Die sozialpsychologische Perspektive, welche das soziokulturelle Umfeld des Talents miteinbezieht, als auch die pädagogische Perspektive, dessen Basis sich aus Kerntugenden wie Fleiß, Freundschaft, Loyalität, Lernwilligkeit und Spaß – also Liebe zum Spiel – speist, sind die Grundvoraussetzungen, um die richtige Haltung und die richtige Einstellung zum Spitzensport und somit für Training und Wettkampf zu entwickeln.

Was ist für ein Talent auf dem Weg zum Erfolg entscheidend?

Die für mich wichtigste Perspektive ist die sozialpsychologische. Denn das soziokulturelle Umfeld und die Aktivitäten abseits des Vereinslebens in Elternaus, Schule und direktem Umfeld nehmen sehr starken Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung und Motivation eines jungen Menschen. Hier ist vor allem ein stabiles Elternhaus, das Kerntugenden und ein Wertegerüst vorlebt und vermittelt, von größter Wichtigkeit. Ist dies nicht gegeben ist oftmals auch das beste Training nutzlos.

Können Sie bitte noch mehr auf diese Kerntugenden und das von Ihnen angesprochene Wertegerüst eingehen?

Ja, womit ich bei der pädagogischen Perspektive wäre. Hier wird die charakterliche Basis für einen Champion definiert. Ein herausragender Sportler ist noch lange kein herausragender Charakter, geschweige denn ein Champion und Vorbild. Es sollte aus meiner Sicht in Elternhaus, Schule und Verein früh viel Wert auf folgende charakterliche Eigenschaften und Tugenden gelegt werden: Ehrlichkeit, Loyalität, Fleiß, Respekt, Lernwilligkeit, Freundschaft und Zuverlässigkeit. Diese Grundwerte und Tugenden sind die Basis, neben einer natürlichen Aufmerksamkeit und Offenheit, um eigeninitiativ, selbstbewusst, selbstkontrolliert und entschlossen Entscheidungen treffen zu können. Diese Basis führt dazu, dass sich Talente realistische Ziele setzen und diese beharrlich und mit Geduld verfolgen und mit Eifer und Entschlossenheit hart an ihren Zielen arbeiten. Der Enthusiasmus für eine Sportart sollte ohne Druck ausgelebt werden können.

Ist der Spaß am Spiel nicht ohnehin ein ganz entscheidender Faktor?

Ja, klar. Ein elementarer. Ich sage jungen Talenten immer, dass sie sich die Liebe zum Spiel fest in ihrem Herzen einschließen sollen, denn daraus ziehen sie ihre gesamte internale Motivation: Die Motivation jeden Tag, in jedem Training auf eine ganz bestimmte Weise oder in einem bestimmten Detail besser werden zu wollen.

Mannschaftssport setzt voraus, ein Rollenverständnis im Team und Verein zu entwickeln, Teamspirit zu fühlen und auch vorzuleben. Zählen Sie diese Fähigkeiten auch zum Wertegerüst?


Ja. Und dieses Wertegerüst ist eine Grundvoraussetzung für eine sehr gute moralische, mentale und körperliche Verfassung, die dazu führt, dass technische und taktische Fertigkeiten im Training und im Spielmodus schnell und stressfrei erlernt werden können. Das wiederum führt zu Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, um im Wettkampf unter Druck Topleistung abrufen zu können.

Welche Bedeutung hat dieses Erlenen von Werten und Grundtugenden für den Erfolg von Training?

Die Basis für die charakterliche Entwicklung und für Spitzenleistung wird in der Kindheit und der Jugend gelegt. Hier geht es viel um Zwischenmenschlichkeit und um Führung durch Achtung und Respekt. Es hilft unabhängig vom Umfeld natürlich enorm, wenn man ein herausragendes genetisches Potential mitbringt. Aber dies ist um ganz oben anzukommen bei Weitem nicht alles. Man wird als Bewegungstalent anfangs immer erste Erfolge feiern und oft auch besser und schneller als Mitspieler lernen, aber konstant über Jahre Spitzenleistung im absoluten Topsegment zu erbringen, ist ein Lernprozess und basiert auf einer stabilen und starken Persönlichkeit, auf einem Wertegerüst und starker internaler Motivation – und nicht nur auf genetischem Bewegungspotential.

Wie bewertest du den Faktor der Gene?


Ein Toptalent mit herausragendem genetischen Potential und parallel dazu einem herausragendem Charakter, das frühzeitig im richtigen Umfeld gefördert wird, wird von seinen Ausgangsvoraussetzungen immer dem Talent mit dem ‚nur‘ herausragenden Charakter überlegen sein. Aber ein Talent mit herausragendem Charakter wird immer dem genetisch hochveranlagten ‚Talent mit einer instabilen Persönlichkeit und dem defizitären Charakter überlegen sein.

Ein junges Talent ist etlichen Einflussfaktoren ausgesetzt, die auch unerkannt wirken: Anfangs wären da beispielsweise übermäßige Aufmerksamkeit und Wertschätzung, wenn ein Wechsel zu einem namhaften Verein stattfindet, auf der anderen Seite aber auch Missgunst und Neid. Hinzu kommen steigende Erwartungshaltungen, falsche Freunde überambitionierte Eltern. Später Geld und Medienwirksamkeit. Wie wichtig ist eine seriöse Beratung?

Äußerst wichtig. Die bisher geschilderten Komponenten können das Talent und sein direktes Umfeld selbst beeinflussen und zu großen Teilen steuern. Hier kommt dann auch ein seriöser und guter Berater mit ins Spiel, der das Geschäft bestens kennt und dem Talent und der Familie dabei hilft, ein stabiles Umfeld aufrecht zu erhalten, das neben dem Verein und der Schule dafür sorgt, die charakterliche Entwicklung in die richtige Richtung zu bewegen. Und nicht auch noch Druck ausübt. Es ist schon schwierig genug, in den jungen Jahren die Anforderungen von Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen. Zudem herrscht schon sehr früh starker Leistungs- und Selektionsdruck im Verein. Verstärkt wird dies durch die übermäßige Aufmerksamkeit, die einem jungen Talent von vielen Seiten zu Teil wird. Neue ‚Freunde‘ und dubiose ‚Berater‘ biedern sich früh an.

Ist auch die Pubertät ein Faktor?

Natürlich. Auch sie muss mit all ihren Höhen und Tiefen bewältigt werden. Die jungen Talente zahlen auf jeden Fall einen sehr hohen Preis für die Realisierung ihres Traums vom Spitzensportler. Im Grunde geben Sie ihre Kindheit und Jugend auf. Daher ist ein stabiles Umfeld, das Tugenden, Werte und Normen vermittelt und dem jungen Menschen als Ratgeber in schwierigen Situationen zur Seite steht, essentiell.

Interview: Frank Schneller (Medienmannschaft)

Bild: SC Mittenwald
Bild: SC Mittenwald

Er ist der neue Shooting Star der Skirennläufer: Thomas Dreßen vom SC Mittenwald holte bei der Abfahrt in Beaver Creek den ersten Podestplatz für Deutschland seit 2005 und ist dank seiner guten Leistungen auch für die Olympischen Winterspiele in diesem Jahr qualifiziert. Im Interview sprach der 24-Jährige über seinen Heimatverein und den Reiz seiner Sportart…

Herr Dreßen, der SC Mittenwald wurde 2017 mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein’ prämiert. Was zeichnet die Nachwuchsarbeit des Vereins aus Ihrer Sicht aus?

Meiner Meinung nach macht der SC Mittenwald einen tollen Job in Sachen Nachwuchsarbeit, denn sie haben tolle Trainer und diese wissen, worauf es ankommt.

Wie würden Sie das Vereinsleben beschreiben?

In einem Verein ist die Stimmung sehr wichtig - das bedeutet, es muss ein gutes Teamklima herrschen! Ist dieses gut, dann hat jeder Spaß an der Arbeit - beim Skifahren  - und dann läuft es normalerweise sehr gut.

Was wollen Sie in Ihrer sportlichen Karriere noch erreichen?

Meine Ziele sind, dass ich erst einmal gesund bleibe und dann, dass ich mir den Spaß beibehalte. Aber meine großen Ziele sind dieselben wie von jedem anderen: Ich möchte mich weiter steigern und irgendwann ganz vorne mitfahren!

Was macht für Sie den Reiz am Ski-Rennlauf aus?

Das Schöne am Ski-Rennlauf ist für mich die Abwechslung, denn jeder Tag ist anders. Außerdem ist es toll, die Natur so hautnah erleben zu dürfen. Was mir aber am meisten Spaß macht, ist der Reiz der Geschwindigkeit, wenn man sein Maximum verschieben kann und immer schneller wird und dann das Adrenalin spürt, das durch den Körper fließt.

Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie jungen Talenten für ihre sportliche Karriere mitgeben?

Das Wichtigste, was ich nur jedem raten kann ist, dass man Spaß bei allem hat! Denn hat man Spaß - egal, ob beim Training im Sommer oder Winter oder bei Rennen - dann hat man auch Erfolg, weil man einfach locker ist.

Text: Medienmannschaft

Bild: SV Neptun
Bild: SV Neptun

Hinter jeder Medaille steckt neben dem Sportler auch ein Stab aus Trainern, Betreuern und Helfern. Ohne diese oftmals ehrenamtlichen Förderer und Unterstützer wäre der Leistungssport in vielen Vereinen gar nicht denkbar - so auch beim SV Neptun Aachen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Fahrdienst zum Training und Wettkampf, Kuchen backen für den Verkaufsstand in der Halle, die Suche nach Sponsoren: Hinter jedem Erfolg steckt neben dem Sportler und seinem Trainer ein Stab aus Betreuern und Helfern. Viele dieser Unterstützer sind ehrenamtlich tätig; ohne sie wäre der Leistungssport in vielen Vereinen gar nicht denkbar - so auch beim SV Neptun 1910 Aachen.

Mit ihrem hohen Engagement können die dortigen Wasserspringer viel auffangen. Der Heimatverein von Welt- und Europameister Sascha Klein war Bundesstützpunkt, doch 2013 wurde der Status aberkannt, der Verein verlor daher eine große Unterstützung. „Wir wollten aber nicht, dass die Sparte bei uns stirbt“, erinnert sich Anke Marx, die 1. Vorsitzende des Fördervereins. „Daher haben wir gesagt: Wir krempeln selbst die Ärmel hoch.“

Wille und Einsatz führten zum Erfolg: 2017 wurde der Verein mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung‘ prämiert. Der Preis ist nicht nur eine Auszeichnung für die hohe sportliche Qualität der Talente, sondern auch eine Anerkennung für das Team hinter dem Team. „Der Leistungssport in Aachen wäre ohne Ehrenamt nicht umzusetzen“, betont Marx. Die Ärztin ist - ebenso wie ihre Kollegen aus dem Vereins- und Abteilungsvorstand - selbst ehrenamtlich tätig.

2009 begannen ihre Kinder mit dem Wasserspringen, ein Jahr später fing auch Marx an, sich im Verein zu engagieren. „Jeder gibt das rein, was er kann“, erläutert sie das Prinzip. Außer den beiden hauptamtlichen Trainern bekommt keiner Gehalt. Rund 80 Personen stehen neben den sechs ehrenamtlichen Übungsleitern auf der Helferliste, der Stamm beträgt 15 Helferinnen und Helfer, die „immer dabei und ansprechbar sind“.

Die Aufgaben sind vielfältig und reichen von der Organisation der Heimwettkämpfe und der Talentsichtung über das Protokoll beim Wettkampf und die Mitgliederverwaltung bis zur Hausaufgabenbetreuung und Sponsorensuche. Dem Verein steht für Übernachtungen bei Lehrgängen und Turnieren zudem ein Anbau zur Verfügung, das Putzen, Wäsche waschen und Betten beziehen übernehmen ebenfalls freiwillige Helfer.

Viele von ihnen sind - wie Marx - Eltern von Springern: „Wenn neue Kinder dazukommen, werden die Eltern als erstes gefragt, ob sie für die Cafeteria bei Wettkämpfen Kuchen backen können“, erläutert die Ärztin. „Bei den Wettkämpfen sehen sie dann, dass die anderen Eltern auch helfen. Viele fragen von selbst, ob sie noch was helfen können. So wachsen sie langsam rein.“ Auch Spezialwissen ist gefragt: Eine Mutter ist beispielsweise als Pharmazeutin tätig und hielt einen Vortrag über Doping. Das Geheimnis des Erfolgs liegt für Marx im Zusammenhalt des Teams. „Wir stützen uns gegenseitig“, erklärt sie. „Jeder kann sich mal eine Auszeit nehmen, das wird dann aufgefangen.“

Blickt man über den Beckenrand hinaus, ist der SV Neptun Aachen jedoch nur einer von 90.025 Sportvereinen (Stand 2016), die deutschlandweit auf das Ehrenamt angewiesen sind. „Ohne ehrenamtliches und freiwilliges Engagement wäre unser Sportsystem nicht lebensfähig“, erklärte bereits DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen: Insgesamt 1,7 Millionen Mitglieder engagieren sich in Sportvereinen in ehrenamtlichen Positionen. Zählt man die große Zahl an freiwilligen Helfer/innen hinzu, so sind es über acht Millionen Menschen, die sich im Bereich Sport und Bewegung engagieren.

Entsprechend groß ist die Bedeutung für den DOSB. „Das gesamte Sportvereinssystem baut auf dem Ehrenamt und dem freiwilligen Engagement auf“, unterstreicht Boris Rump. Der DOSB-Referent ist im Bildungsressort des Dachverbandes für genau diesen Bereich zuständig und weiß: „Die Karrieren vieler Sportler - auch vieler Spitzensportler - haben in einem kleinen Verein angefangen, der komplett ehrenamtlich organisiert ist. Aus dieser Breite entwächst eine Spitze; ohne diese kleinen Vereine würde es nicht funktionieren.“

Rump war lange Jahre als Trainer im Fußball und Tennis tätig, er spricht aus eigener Erfahrung - und kennt daher auch die Probleme. „Es wird seit Jahrzehnten über die Krise im Ehrenamt diskutiert - und man muss an vielen Stellen tatsächlich festhalten, dass Ehrenamtliche fehlen“, gibt er zu. Wissenschaftlich werde zudem ein Wandel vom traditionellen Ehrenamt hin zu einem modernen Ehrenamt mit einer persönlichen Kosten-Nutzen-Kalkulation beschrieben. Rump: „Ehrenamt wird inzwischen häufig mit einer Erwartungshaltung verbunden. Darauf müssen sich Vereine und Verbände einstellen.“

Beim SV Neptun Aachen stellt sich diese Frage jedoch nicht. „Es ist aufwendig, es ist total anstrengend, aber es lohnt sich, wenn man sieht, dass die Kinder Spaß und Erfolg haben“,  unterstreicht Marx. „Ich habe im Rahmen dieses Ehrenamts viele Dinge gelernt. Eine Mutter, die Hotelfachfrau ist, hat mir beispielsweise gezeigt, wie man Spannbettlaken ordentlich zusammenlegt.“ Ihr Engagement bereut die Ärztin nicht: „Ich habe viel gegeben, aber ich habe auch profitiert.“

Text: Medienmannschaft

Bild: Mario Vordank Red Devils
Bild: Mario Vordank Red Devils

Jung, erfolgreich, talentiert: Junioren-Nationalspielerin Julia Diesener gewann mit der U17 der Red Devils Wernigerode die Deutsche Meisterschaft im Floorball. Im Interview spricht die Stürmerin über den Erfolg und ihre Ziele.

Julia, was zeichnet die Nachwuchsarbeit aus?


Sie ist sehr vielfältig. Egal, ob Mädchen oder Junge: Alle können in altersgerechten Trainingsgruppen trainieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich durch zusätzliches freiwilliges Training in älteren Trainingsgruppen zu verbessern. Im Herren-Bundesligateam spielen Gastspieler aus Finnland und Tschechien, die mit ihrer Klasse das Training im Nachwuchsbereich begleiten. So können wir von den Erfahrungen der ausländischen Bundesliga-Spieler profitieren. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich selbst im Verein zu engagieren und sich damit auch persönlich weiterzuentwickeln. Ich bin beispielsweise seit einem Jahr bei den U5-Junioren als Co-Trainer aktiv.

Was bedeutet dir die Deutsche U17-Meisterschaft?


Den Titel mit meinem Team zu holen, war ein unglaubliches, unbeschreibliches Gefühl, einfach unendlich großartig, ein riesiges Glücksgefühl und kaum zu glauben. Wir alle brauchten eine Weile, um alles zu realisieren. Ich bin so stolz und empfinde es zugleich als eine große Ehre, im besten Team Deutschlands zu trainieren. Dieser Titel zeigt mir, dass sich ein fester Wille und intensives Training auszahlen.

Was willst du im Floorball noch erreichen?


Ich möchte gerne an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Mein größter Traum wäre, dass Floorball bald olympisch wird und ich dann vielleicht dabei sein könnte. Aktuell trainiere ich in der U19-Damen. Ich möchte gerne im Kader bleiben, im Mai mit der Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in die Schweiz fahren und zukünftig in der Damen-Nationalmannschaft spielen. Persönlich möchte ich mich sportlich stetig weiterentwickeln und einfach so lange wie möglich sportlich aktiv, fit und gesund bleiben.

Welchen Rat bzw. Tipp würdest Du anderen jungen Talenten mitgeben?


Ich finde, es ist super wichtig, sich immer weiterentwickeln zu wollen, die Bereitschaft zur Leistung, sonst bleibt man stehen. Teamfähigkeit ist ebenfalls wichtig. Außerdem ist es hilfreich, sich auf neue Erfahrungen sowie neue Teams in einer höheren Liga einzulassen und einstellen zu können. Am wichtigsten ist es sich nie aufzugeben, auch wenn es mal nicht so gut läuft: Immer wieder aufzustehen und an sich selbst zu glauben.

Text: Medienmannschaft

Bild: Privat
Bild: Privat

Erfolg auf dem Pferd: Der Voltigier-Verein Ingelsberg wurde 2004 und 2012 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ ausgezeichnet. Einer der erfolgreichen Nachwuchsathleten ist der 17-jährige Gregor Klehe, der im Interview über seine Sportart sprach.

Gregor, was zeichnet die Nachwuchsarbeit in Ingelsberg aus?

Viele von uns geben ihre eigene Erfahrung als Trainer weiter, das ist ein schönes Miteinander. Wir sind zwar ein relativ großer Verein, sodass man zwar nicht immer jeden sieht, aber der Kontakt ist auf jeden Fall da. Ich mache zum Beispiel auch eine Anfängergruppe. Ich gebe den Kindern dann Tipps und gebe damit das weiter, was ich selbst gelernt habe.

Voltigieren ist ja nicht unbedingt eine „Mainstream-Sportart“. Wie bist du dazu gekommen?

Meine Mutter hat früher voltigiert, dann hat meine Schwester angefangen und ich habe es auch mal ausprobiert. Am Anfang hat es mich, ehrlich gesagt, gar nicht so fasziniert, aber ich bin relativ schnell gut geworden und war in einer Gruppe, in der es mir super viel Spaß gemacht hat. Es war ein tolles Team und das ist wichtig, denn man verbringt viel Zeit miteinander.

Wenn du mal vom Pferd stürzt: Wie schwierig ist es, wieder aufzusteigen?

Ich bin schon oft runtergefallen und ab und zu auch mal ein bisschen härter, aber ich habe keine Angst, wieder aufs Pferd zu gehen. Man hat ein großes Vertrauen ins Team, und es ist wirklich die Ausnahme, dass man runterfällt. Man trainiert auch erst am Holzpferd und erst, wenn es da klappt, geht es auf das echte Pferd.

Was ist bisher dein größter Erfolg – und was sind die nächsten Ziele?

Ich bin dieses Jahr im Einzelvoltigieren Vize-Weltmeister geworden, das ist bisher der größte Erfolg. Das nächste große Ziel ist es, im kommenden Jahr mit dem Team auf die Weltreiterspiele zu kommen. Im Einzel will ich es zudem bei der Europameisterschaft unter die Top Drei schaffen.

Aus deiner eigenen Erfahrung: Welchen Rat würdest du anderen Talenten mitgeben?

Man muss Spaß an seinem Sport haben. Das sagt man immer so, aber es ist wirklich wichtig. Wenn man es macht, weil man es machen muss, kann man nicht gut werden. Man muss es selbst wollen und auf jeden Fall am Ball bleiben. Es gehört natürlich viel Training dazu, und da muss man intensiv arbeiten. Das ist wie mit dem Fitnessstudio: Man sagt, man will sich fit halten - und geht dort dann nur in die Sauna (lacht). Das bringt nichts. Man muss sein Training sinnvoll nutzen!

Text: Medienmannschaft

Bild: Ingrid Anderson-Jensen
Bild: Ingrid Anderson-Jensen

Als der TSV Bayer Dormagen 2010 zum zweiten Mal in seiner Historie mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“ prämiert wurde, trug auch Simon Ernst das Trikot der Nordrhein-Westfalen. Der Spielmacher ist inzwischen gestandener Bundesligaspieler und Handball-Europameister 2016. Im Interview sprach er über seinen Ausbildungsverein

Der TSV Bayer Dormagen wurde 2003 und 2010 mit dem „Grünen Band“ prämiert. Was zeichnet die Nachwuchsarbeit im Verein aus Ihrer Sicht aus?

Die Nachwuchsarbeit wird mit viel Herzblut betrieben. Es gibt sehr, sehr engagierte Trainer und eine gute Infrastruktur mit Vollzeit- und Teilzeitinternat. Außerdem haben viele Jungs wie ich im Verein gespielt, die einfach Bock hatten, sich zu verbessern und dafür jeden Tag mehrere Stunden Zugfahrt in Kauf genommen haben.

Offensichtlich mit Erfolg …

Alleine aus der damaligen B-Jugend, in der ich gespielt habe, haben sechs Spieler den Schritt in die Bundesliga geschafft. Ich denke, man kann mit Recht behaupten, dass der Verein eine der besten Talentschmieden in Deutschland in den letzten Jahren ist. Es kommen auch jetzt wieder starke Jahrgänge nach.

Weil sich der Verein inzwischen einen guten Namen erarbeitet hat?

Genau! Im Handballverband Mittelrhein ist die Frage „Gummersbach oder Dormagen?“, wenn man ein wenig Talent hat und von seinem Heimatverein weggehen will. Auch dieser Zweikampf macht es sehr interessant, weil man einen sehr, sehr starken Konkurrenten vor der Tür hat - als Anreiz und als Gradmesser.

Sie müssen derzeit mit einem Kreuzbandriss pausieren und werden daher neben dem Bundesligaauftakt auch die EM im Januar verpassen. Wie geht es Ihnen?

Mir geht es soweit ganz gut. Es läuft alles nach Plan. Die OP ist jetzt über zehn Wochen her und bisher gab es keine Komplikationen. Mehr kann man sich nicht wünschen. Die Ärzte und Physiotherapeuten sind zufrieden und ich kann die Belastungen, wenn sie erhöht werden, bisher auch problemlos wegstecken. Ich bin daher ganz optimistisch.

Aus Ihrer eigenen Erfahrung: Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie jungen Talenten für ihre sportliche Karriere mitgeben?


Es gibt keinen Königsweg, es gibt viele verschiedene Wege, wie man den Erfolg erreichen kann. Man muss diszipliniert und ehrgeizig sein, einen klaren Kopf bewahren und in allen Situationen positiv bleiben, weil es nicht immer bergauf gehen wird. Und ganz wichtig: Man darf den Spaß nicht verlieren!

 

Text: Medienmannschaft

 

Bild: Privat
Bild: Privat

Diese junge Dame ist der Hammer: Neele Koopmann (16) aus dem Wendland gilt als riesiges Talent. Die beste Hammerwerferin ihres Jahrgangs in ganz Deutschland wechselt jetzt nach Berlin, um ihrer Karriere weitere Anschubkraft zu verleihen. Koopmanns Weiten sind sogar besser als die ihres großen Vorbildes Betty Heidler im vergleichbaren Alter.

von Andreas Hardt, Medienmannschaft

Ende August: Der Umzug. Was nimmt man mit beim Schritt in ein neues Leben? Bücher, Teddy, Fotos, Lieblingsmöbel? Nichts davon, um gleich ganz von vorne zu beginnen? Mit ihrer Mutter ist Neele Koopmann nach Berlin gereist, um ihr Einzelzimmer im Schulinternat des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin einzurichten. Es geht also wirklich los. Raus aus dem beschaulichen Wendland, hinein in die sprudelnde Weltmetropole Berlin. Alles, um im eigenen Sport weiter voranzukommen. Ein Karriereschritt, ein Lebensschritt für die 16 Jahre alte Hammerwerferin, die sich mit 68,29 Metern mit dem Drei-Kilo-Hammer zur besten deutschen Athletin in der Altersklasse U18 entwickelt hat und schon 2016 deutsche U16-Meisterin war.


„Meine Möglichkeiten in Berlin sind ganz andere, die Trainingsbedingungen sind vielfältiger“, weiß Neele Koopmann, „ich werde dort auch mehr für Schnellkraft und Sprint trainieren, zweimal in der Woche Physiotherapie haben, Leistungsdiagnostik ist vor Ort – und ich trainiere mit meinem Bundestrainer Ron Hütcher“. Das ist Leistungssport in einem professionellen Umfeld. Neele Koopmann ist zu gut geworden für den SV Gartow, auch wenn sie weiterhin für den Club aus dem äußersten Osten Niedersachsens starten wird.


In einer Kinder-Leichtathletikgruppe ihres ehemaligen Trainers Siegfried von der Gablentz hat alles einmal angefangen, da war die kleine Neele gerade eingeschult. Spielen, Tollen, Ausprobieren – was man so macht. Aber Neele, die warf schon damals den Schlagball weiter als die anderen. Und irgendwann gab ihr der Trainer den Hammer in die Hand. Es entwickelte sich mit viel Arbeit, Fleiß und Training ein Naturtalent. „Ich hatte früher keine Ahnung was Hammerwerfen ist“, erzählt Mutter Susanne Koopmann durchaus stolz, „und jetzt durfte das eigene Kind zur WM fahren, es ist total faszinierend“. Durfte, ja – aber sie fuhr nicht. Mitte Juli sollten die Welttitelkämpfe der U18-Athleten in Nairobi/Kenia stattfinden. Neele war nominiert, da braucht man im Vorfeld Spritzen gegen diverse Tropenkrankheiten. Und schon war der Traum von der WM geplatzt. Die Injektionen haben wahrscheinlich eine Nervenerkrankung hervorgerufen. „Es ist so, als ob meine Eiweiße gefressen werden.“ Statt WM also Pause – und dann Reha. „Das war schon sehr hart und eine große Enttäuschung.“


Andererseits geht nun der Blick um so konzentrierter in die Zukunft. Im kommenden Jahr findet die U18-EM im ungarischen Györ statt. Eine Schutzimpfung braucht man da nicht. Aber Ehrgeiz und den Willen, im Sport voranzukommen. „Ich habe mich für diesen Schritt jetzt entschieden, habe ihn mir gut überlegt“, erzählt sie, „ich werde das jetzt durchziehen.“ So, wie sie es immer getan hat. Tägliches Training ist normal, Krafttraining kam vor einem Jahr dazu. Ihre Schule in Clenze, die sie nun nach der neunten Klasse verlässt, hat die junge Athletin immer unterstützt: Freistellungen für Wettkämpfe und Lehrgänge gab es regelmäßig, auch Klassenarbeiten durfte sie nachschreiben. An ihrer Disziplin liebt Neele Koopmann, dass diese sehr technisch und schnell ist. „Man muss auf viele Kleinigkeiten achten. Es ist etwas ganz Besonderes und macht einfach Spaß.“

Dass die Trennung vom langjährigen Trainer von der Gablentz keine einfache Entscheidung war, dass es dabei auch zu großer menschlicher Enttäuschung gekommen ist, ist verständlich. Eine harte Zeit im Frühjahr war das, für alle Beteiligten. Aber sportlich gibt es wahrscheinlich wirklich keine Alternative, die Trainingsbedingungen in Gartow waren einfach nicht mehr ausreichend.  „Als mir der leitende Wurf-Bundestrainer Jürgen Schult im April gezeigt hat, dass ich bei den Weitenvergleichen deutlich über den Werten von Betty Heidler im gleichen Alter liege“, sagt Neele Koopmann. BETTY HEIDLER, die ehemalige Weltrekordlerin. „Mein großes Vorbild seit der Kindheit. Da musste ich erst einmal schlucken.“ Der Vergleich zeigt aber auch die Möglichkeiten, die sie hat. In Berlin wird die Wendländerin aus dem kleinen Dörfchen Bockleben nun regelmäßig mit den B-Kaderathletinnen Carolin Paesler und Charlene Woitha trainieren und sich gleichzeitig an der Oberstufe des Sportgymnasiums auf ihr Abitur vorbereiten. Die junge Athletin freut sich auf die neue Herausforderung, auf das neue Leben – und sie weiß auch, dass ihre Mutter sagt: „Wenn es ihr nicht gefällt, dann kann sie jederzeit nach Hause zurückkommen.“ Aber das ist für Neele Koopmann keine Option.

© Verein
© Verein

Von A wie AirSports über F wie Faustball bis W wie Wassersport: Wenn am 20. Juli die 10. World Games im polnischen Breslau starten, treffen Traditions- und Trendsportarten aufeinander. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie gehören (noch) nicht oder nicht mehr zum Programm der Olympischen Spiele. Die Bedeutung der Weltspiele mindert das nicht für die mehr als 3.500 Athletinnen und Athleten aus 111 Nationen: Für sie geht mit der Teilnahme ein Traum in Erfüllung.

Von Julia Nikoleit/ Medienmannschaft


Das deutsche Team in Breslau besteht aus 186 Sportlerinnen und Sportlern, die in 26 der 31 Disziplinen an den Start gehen. „Unter dem Motto ‚Wir für Deutschland‘ wird eine starke Mannschaft mit guten Aussichten in die Wettkämpfe gehen und dabei gleichzeitig ein Zeichen für die Vielfalt des Sports setzen“, zeigt sich Dirk Schimmelpfennig, DOSB-Vorstand Leistungssport und Delegationsleiter in Breslau, voller Vorfreude, „die World Games sind die größte Bühne für viele unserer Traditions- und Trendsportarten“. Lediglich im Beachhandball, Kickboxing, Floorball, Flying Disc und Lacrosse sind keine deutschen Teilnehmer dabei.

Die World Games finden alle vier Jahre statt, jeweils im Jahr nach den Olympischen Sommerspielen. Verantwortlich für die Ausrichtung ist die International World Games Association (IWGA), das Internationale Olympische Komitee (IOC) übernimmt die Schirmherrschaft. Das Programm der World Games setzt sich aus den offiziellen, von der IWGA beschlossenen Wettkampfsportarten und den so genannten Einladungssportarten zusammen, über welche die Ausrichterstadt entscheidet. Baseball/Softball, Karate, Sportklettern und Surfen werden in Polen vorerst zum letzten Mal ausgetragen, die vier Sportarten gehören ab 2020 zum olympischen Programm. Neu bei den World Games sind hingegen Floorball, Lacrosse und Muaythai (Thaiboxen), Breslau wählte zudem American Football, Kickboxing, Motorsport und Rudern.

Es war eine Entscheidung, die im rund 900 Kilometer entfernten Saarbrücken für Freude sorgte. Die dort beheimateten Saarland Hurricanes gehören zu den deutschen Spitzenvereinen im American Football und wurden 2013 für ihre Nachwuchsarbeit mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung’ ausgezeichnet. Alexander Haupert und Leon Helm wurden bei den ‚Canes’ groß, ihnen gelang der Sprung aus dem Jugendbereich in die German Football League und die Nationalmannschaft. „Es ist einfach eine große Familie, in der man sich kennt“, schwärmte Quarterback Haupert im vergangenen Jahr von seinem Verein.

Die beiden Footballer aus dem Saarland sind zwei von insgesamt 28 Mitgliedern des deutschen Teams, die aus einem Verein kommen, der in den vergangenen 20 Jahren mit dem ‚Grünen Band’ ausgezeichnet wurde. Jeder von ihnen bringt eine interessante Geschichte mit nach Breslau: Rollkunstläufer Markus Lell vom REV Heilbronn (prämiert 1988 und 1999) gewann 2013 bei den World Games in Cali/Kolumbien bereits die Silbermedaille.

Ebenfalls eine Silbermedaille – bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro – hat Lisa Unruh vom BSC BB-Berlin (1995, 2001, 2008) in ihrer Vita stehen; die 29-Jährige, die sich in Brasilien mit dem Recurvebogen auf das Podest schoss, tritt in Breslau im Feldbogenschießen an. Und für Sina Wall und Raphael Kandra werden die World Games quasi die Hochzeitsreise; die beiden Nationalspieler des Paderborner Squash Clubs (1999, 2007, 2015) gaben sich nicht einmal eine Woche vor dem Start der Weltspiele das ‚Ja-Wort’.

Neben Wall und Kandra stellt der Paderborner Squash Club in Franziska Hennes und Simon Rösner zwei weitere Athleten für Breslau. Das Quartett reist mit Rückenwind an, im Mai gewannen sowohl die Männer als auch die Frauen des PSC bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften die Goldmedaille - zum dritten Mal in Folge.

Für die Paderborner und Coach Oliver Pettke ist die Teilnahme an den World Games eine besondere Ehre. „Man hat nur alle vier Jahre die Möglichkeit teilzunehmen“, erklärte der Squash-Bundestrainer gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Es ist für alle die Chance, einmal in der Öffentlichkeit zu stehen.“ Der PSC stellt mit vier Athleten die zweitgrößte Abordnung aus der Riege der 13 in Breslau vertretenen Gewinner-Vereine. Spitzenreiter sind die 2003 prämierten Sportfreunde Goldscheuer, die in Anke Precht, Martin Higel, Christian Egg, Andreas und Daniel Fien, Christoph Beckert, Christian und Eberhard Bartmann, Heinrich Biegert sowie Philipp und Andreas Berl die Hälfte der der 22-köpfigen Tauzieh-Nationalmannschaft stellen.

2013 in Cali gewann das deutsche Team 15 Gold-, sieben Silber- und acht Bronzemedaillen und beendete die World Games damit auf dem vierten Platz der Nationenwertung hinter Italien, Russland und Frankreich. Delegationsleiter Schimmelpfennig ist optimistisch, an die Leistung anknüpfen zu können und versprach: „Wir werden eine attraktive Mannschaft erleben und auf den vorderen Plätzen mitspielen.“

Die Athleten aus prämierten Vereinen

1. FZC Blau Weiß Philippsburg - Annalena Sturm, Blanca Birn - Ju-Jutsu - Auszeichnung: 2006, 2014

BSC BB-Berlin - Lisa Unruh - Feldbogenschießen - 1995, 2001, 2008

Deutscher Alpen-Verein, Sektion München/Oberland - Monika Retschy - Sportklettern / Bouldern - 2005

DLRG Beckum-Lippetal - Sophia Bauer - Rettungsschwimmen - 2006, 2012

Dresdner Sportclub 1898 - Tim Sebastian - Sportakrobatik - 2011

Paderborner Squash Club - Franziska Hennes, Raphael Kandra, Simon Rösner, Sina Wall - Squash - 1999, 2007, 2015

REV Heilbronn - Markus Lell - Rollkunstlauf - 1988, 1999

RSV Blau Weiss Gera - Josie Elisabeth Hofmann - Speedskating - 2001, 2010

Saarland Hurricanes - Alexander Haupert, Leon Helm - American Football - 2013

SC DHfK Leipzig - Florian Kritzler - Flossenschwimmen - 2005, 2012

SC Riesa - Michail Kraft - Sportakrobatik / Herren Paar - 2002

Sportfreunde Goldscheuer - Anke Precht, Martin Higel, Christian Egg, Andreas Fien, Daniel Fien, Christian Bartmann, Eberhard Bartmann, Christoph Beckert, Philipp Berl, Andreas Berl, Heinrich Biegert - Tauziehen - 2003

TSV Chemie Premnitz - Andreas Gripp - Bowling - 1996

Foto: Privat
Foto: Privat

Frech, unbekümmert, hochbegabt – Antonia Ende (10), zweifache Bayrische Meisterin 2017, hat neben ihrem Talent ein großes Plus: Unbändigen Spaß am Spiel. Und bei jedem Training. Genau darum nimmt ihre Familie den Aufwand auf sich, der in der Tennisszene nötig wird, wenn es jemand an die Spitze schaffen will – und kann.


Wer sich mit Antonia Ende unterhält und dabei von ihr angelacht wird, dem geht das Herz auf. Wer von ihr über den Tenniscourt gescheucht wird, bis sie den Punkt macht, dem fällt schon mal die Kinnlade runter. Und das geht nicht nur Spielerinnen ihres Alters so. Antonia, zehn Jahre jung, ist eines der größten Tennistalente Bayerns, ohne Frage. Die junge, fröhliche Dame aus dem mittelfränkischen Lauf spürt schon, dass sie besonders begabt ist – aber sie geht damit völlig locker um. Völlig unprätentiös. Sieht das alles nicht so verbissen. Spielerisch, vielmehr. Sie ist – bei allem Ehrgeiz – vergleichsweise unbekümmert.


Die mittlerweile für den Spitzenklub TV 1860 Fürth aktive Rechtshänderin, mehrfache Mittelfränkische Meisterin sowie aktuell doppelte Bayerische U11-Meisterin (In der Halle und im Freien) und bereits in der deutschen U-12-Rangliste unter den Top 50, vereint Talent mit gesundem Selbstbewusstsein und – besonders wichtig – unbändiger Freude am Spiel(en). Nicht zuletzt das macht sie so stark. „Antonia geht bei jedem Training mit einem Lächeln auf den Platz“, sagt ihr "Heimtrainer" André Zietsman. Und: „Gerade in dieser Entwicklungsstufe ist es wichtig, dass nicht der Ball der Chef im Spiel ist, sondern die junge Spielerin oder der Spieler. Wenn Antonia spielt, ist sie der Chef.“

Auch Vater Udo Ende, früher mal ein hervorragender und bekannter Handballtorwart, ist von seiner Tochter beeindruckt: „Sie macht sich keinen Kopf, keinen Druck, sondern genießt es einfach, den Schläger in der Hand zu halten.“

Es ist genau dieser vom puren Spaß beseelte Umgang Antonias mit dem auf diesem Niveau unweigerlich zunehmenden Leistungs-Ansprüchen, der ihr Umfeld seit dem ersten Schnupperkurs beim heimischen TV 1877 Lauf im Frühjahr 2013 immer wieder aufs Neue darin bestätigt und animiert, sie zu unterstützen. Mit viel Zeitaufwand und viel Herzblut. Ihre Trainerinnen und Trainer in Verein und Auswahl, aber natürlich vor allem auch ihre Eltern und ihre ältere Schwester Amelie („ich bin sehr stolz auf Antonia“), ihrerseits eine überaus talentierte Handballerin.

Gerade im Tenniszirkus liegen die Herausforderungen längst nicht nur auf dem Platz, sondern gleichermaßen im Organisationsvermögen des Umfelds. Der Rhythmus einer mehrköpfigen Familie wird unweigerlich vom Takt eines begabten und ambitionierten Tenniskinds mitbestimmt. Das ist bei den Endes nicht anders. Vater Udo und Mutter Verena sind beide berufstätig und haben alle Hände voll zu tun, ihren Alltag zu strukturieren und zu organisieren. Familie, Freunde, Schule, Hausaufgaben, Training, Turniere, auswärtige Auswahlmaßnahmen und Meisterschaften – der Terminplaner ist im Hause Ende ein besonders wichtiges Utensil. Alles will genau getimt sein. Und oft ist Nervenstärke gefragt.

So läuft Antonias Woche in der Regel ab:
Montags Handballtraining in Diepersdorf, Mutter Verena fährt sie dort hin – 14 km pro Strecke. Training ist von 16:30 Uhr bis 18:00, Vater Udo holt sie ab. Gesamtzeit für Antonia inklusive Fahrt: knapp zwei Stunden. Dienstags fährt sie ihre Mutter nach Nürnberg – 35 km einfache Strecke; Training ist um 15:00 Uhr. Eine Stunde Einzel-Training bei Ihrem "Heimtrainer" André Zietsman bis 16:00 Uhr. Verena Ende schaut meistens zu und fährt dann alleine nach Hause, denn: Danach bleibt Antonia, um ab 17:30 ihr Konditionstraining in einer kleinen Gruppe (max. sechs Kids) zu absolvieren. In der Zwischenzeit macht sie meist ihre Hausaufgaben. Um 19:00 Uhr holt sie dann ihr Opa ab. Gesamtzeit für Antonia inklusive Fahrt: knapp fünf Stunden. Donnerstags fährt Mutter Verena sie nach Cadolzburg (50 km einfache Strecke), Training ist dort um 15:00 Uhr.
Eineinhalb Stunden Einzel-Training bei André Zietsman bis 16:30 Uhr. Die Mutter bleibt so gut wie immer vor Ort und fährt anschließend mit ihr nach Hause. Gesamtzeit für Antonia inklusive Fahrt: knapp drei Stunden. Freitags fährt der Opa sie nach Altdorf (20 km einfach), Training ab 15:00 Uhr. Zweieinhalb Stunden Gruppentraining (Antonia zählt zu den vier Top-Mädels aus Nordbayern) bis 17:30 beim BTV-Trainer Christian Höhn. Wechselweise holen Mutter oder Vater sie dort ab. Gesamtzeit für Antonia inkl. Fahrt: Drei Stunden. Dann kommt das Wochenende – Prime-Time für Tennis-Talente, klar. Je nach Turnierteilnahme und bzw. oder Mannschaftsspielen, je nach Spielort sind hierfür zwei Tage mit Übernachtung einzuplanen, weil sich die Heimfahrt oftmals nicht lohnt. Wie letztes Jahr beim Talent-Cup des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in Essen, wo Antonia für Bayern spielte. Oder unlängst in Friedberg, als sie nach einem harten Auftaktmatch durch die folgenden fünf Partien bis zur Bayrischen Meisterschaft ohne Satz- und beinahe sogar ohne Spielverlust fegte. Reisebegleiterin ist fast immer Mutter Verena. Nur bei Terminen in der Nähe wechseln sich die Eltern auch mal ab.

Dazu kommen Lehrgangsmaßnahmen des BTV und der nordbayerischen Auswahl – insgesamt bis zu 20 Tage pro Jahr. Hier muss mitunter auch mal der Opa als Chauffeur ran.


Auf Antonia – und das ist auch der Verdienst der ganzen Familie – hat das keine Auswirkungen. Stress? Sie? „Nö.“ Und wie sehen es die Eltern? „In den Tag hineinleben, das kennen wir nicht – das geht halt auch einfach nicht. Für uns zählt, dass wir alles unter einen Hut bekommen“, sagt Verena Ende mit Blick auf den randvollen Terminkalender aller Endes. Sie möchte vor allem nicht, dass Amelie und Antonia mal in der Schule Schwierigkeiten bekommen. Aber natürlich berührt es sie sehr, wenn die Töchter sportlich Erfolg haben.
Vater Udo ist vor ernsteren Problemen seiner Kids bei der Bewältigung von Schule, Sport und Freizeit nicht sonderlich bange. Nicht bei Amelie, nicht bei Antonia. Der ehemalige Bundesliga-Torwart findet, Antonia sei für ihr Alter sehr organisiert, „dermaßen durchgetaktet, aber entspannt dabei – das ist der Hammer“. Er sieht in seiner jüngsten Tochter eine „Leistungssportlerin durch und durch – bewegungstechnisch, athletisch, konditionell.“  Wichtigste Beobachtung für ihn aber ist: „Sie hat so viel Spaß dabei, das ist nahezu unfassbar.“ Die seltenen Niederlagen hakt Antonia „noch am gleichen Tag ab", nach großen Siegen fühlt sie sich dagegen „wie der King“. Aber auch mit diesem Gefühl läuft sie nicht lange durch die Gegend – das nächste Spiel, das nächste Training wartet ja schon wieder.

Da Antonia auf dem Tennisplatz nach Aussage ihres Coaches André Zietsman „absolut vielseitig ist“, quasi alles spielend aus dem Handgelenk schüttelt und schnell lernt – Grundlinienspiel, Volleyspiel am Netz, usw. – brauche man „ihr einfach nur Zeit geben, damit sich alles auf Top-Niveau entwickeln kann“. „Kann, nicht muss“, betont Udo Ende hinterher.

Was er und seine Frau ihrer Antonia wünschen? Udo Ende: „Dass sie den Spaß und den Willen behält. Von Verletzungen verschont bleibt. Dem Irrsinn des Tenniszirkus nicht zum Opfer fällt – wobei wir hier um sie herum einen guten Job machen, möchte ich mal ein wenig unbescheiden sagen. Und: Dass sie die Erfahrungen im Sport als "Motor" fürs Lebens übernimmt – weil es bei mir so war und sich das gut anfühlt.“

Antonia ist zwar erst zehn Jahre jung. Aber es wirkt, als habe sie bereits verstanden, wie ihr Vater das meint. Ihre Bescheidenheit und der Respekt vor den Gegnerinnen jedenfalls sprechen für eine in der Tennisszene wohltuende und gewiss förderliche Bodenständigkeit. Mit falscher Rücksichtnahme an der Grundlinie oder am Netz sollte man das freilich nicht verwechseln. „Ich gewinne schon sehr gerne“, sagt sie. Und hat dabei wieder dieses ansteckende Lächeln im Gesicht.

Text: Medienmannschaft

Antonia Ende aus Lauf bei Nürnberg ist unbestritten eines der größten Tennis-Talente Bayerns (siehe auch Artikel „Mit einem Lachen in den Tenniszirkus“). Ihre Eltern verbringen deshalb viel Zeit im Auto und am Rande des Tennisplatzes, um sie zu unterstützen. Sie tun es gerne. Denn: Die Zehnjährige, die für den TV 1860 Fürth spielt und im Talentpool des Bayerischen Tennis-Verbandes gefördert wird, fällt – im Tenniszirkus nicht immer ganz selbstverständlich – vor allem durch ihre Lockerheit und Unbekümmertheit auf. Falscher Ehrgeiz – das ist nicht ihr Ding. Das lässt sich auch im Interview Frank Schnellers mit der zweifachen Bayerischen U11-Meisterin (Halle und Freiluft) erkennen ...

Antonia, gerade bist Du erneut Bayrische Meisterin geworden und hast nach einem schwierigen Auftaktmatch bis ins Finale hinein und selbst dort kaum noch ein Spiel abgegeben. Geschweige denn einen Satz. In der Hallensaison aber war es im Endspiel knapper. Da gab es einen Schlüsselmoment. Was hast Du Dir damals  nach 6:3, 3:2-Führung und dem anschließenden Zwischenstand von 6:3, 3:6, 0:3 gedacht (Anm. d. Red.: Sie drehte das Match erneut und gewann den Titel)?
Antonia: Ganz einfach: Okay, jetzt fange ich das Spiel nochmal von vorne an.

Wie bist Du denn eigentlich darauf gekommen, Tennis zu spielen? Dein Papa war ja mal ein richtig guter und bekannter Handballtorwart und Deine Schwester spielt mittlerweile auch gut Handball ...
Antonia: Ja, aber meine Mama spielt Tennis und meine große Schwester Amelie neben dem Handball auch.
 
Willst Du mal eine berühmte Tennis-Spielerin werden oder ist es auch okay, wenn Du einfach nur Spaß hast und später vielleicht mal nicht in Wimbledon oder bei einem anderen ganz großen Turnier spielst?
Antonia: Am liebsten würde ich natürlich nach Wimbledon kommen – allerdings möchte ich auch immer Spaß haben beim Spielen.

Hast Du ein Vorbild?
Antonia: Angelique Kerber und Roger Federer.

Schaust Du denn auch viel Tennis im Fernsehen, oder hast Du dafür gar keine Zeit?
Antonia: Bei den Grand Slams schaue ich schon sehr viel.

Trainierst oder spielst Du lieber Matches?
Antonia: Das kann man nicht vergleichen, es macht beides Spaß.

Strengt Dich das Training sehr an? Oder empfindest Du das als locker?
Antonia: Nein, das ist so mittendrin.

Mittendrin? Also dein Konditionstrainer hat zu Deinen Eltern gesagt: „Antonia ist eine Maschine."
Antonia grinst.

Müdigkeit – kennst Du das Gefühl überhaupt, wenn Du den Schläger in die Hand nimmst?
Antonia: Nein.

Strengen Dich die vielen Termine neben der Schule, Hausaufgaben usw. sehr an?
Antonia: Nein, überhaupt nicht.

Musstest Du schon mal ein Training absagen, weil Du für die Schule lernen oder Hausaufgaben machen musstest?
Antonia: Nein. Ich schaff das schon um das Training herum mit der Schule.

Fragen Dich Deine Mitschülerinnen und -Schüler am Montag, wie Deine Tennis-Matches am Wochenende waren?
Antonia: Nur meine besten Freunde fragen mich.

Sind die stolz auf Dich?
Antonia: Ja, ganz besonders meine Freundin Annika, die in Karate an den Olympischen Spielen teilnehmen wird, wenn ich dort Tennis spielen werde.

Bist Du sehr aufgeregt vor Matches?
Nein. Meine Mutter ist aufgeregter.

Wie lange ärgerst Du Dich denn, wenn Du mal ein Match verloren hast?
Antonia: Maximal noch an dem Tag.

Bist Du stolz, wenn Du ein Spiel oder sogar ein Turnier gewinnst?
Antonia: Aber klar doch.

Wie fühlt sich das an?
Antonia: Ich fühl mich wie der King.

Hast Du Freundschaften beim Tennis geschlossen?
Antonia: Ja, mit meinen drei Mitspielerinnen aus der Nordbayern-Auswahl im Speziellen.

Machst Du auch gerne andere Sportarten? Handball, wie Deine große Schwester zum Beispiel?
Antonia: Ja, Handball spiele ich in der D-Jugend. Ich mag alle Sportarten, bei denen man sich bewegt.

Okay, Antonia. Dann danke ich Dir fürs Interview. Du musst ja jetzt zum Training – und ich habe erst einmal keine Fragen mehr.
Antonia: Gern geschehen. Schade eigentlich, keine Fragen mehr...

Foto: Jens Witte
Foto: Jens Witte

Mehrere WM- und EM-Titel sowie drei Olympia-Teilnahmen: Marie-Louise Dräger gehörte in den vergangenen 18 Jahren zur Leistungsspitze der deutschen Ruderer. Nach den Spielen von Rio de Janeiro beendete sie ihre Karriere. Im Interview erklärt Dräger, was ihren Verein ORC Rostock auszeichnet und was entscheidend dafür ist, dass es ein Talent bis ganz nach oben schafft …

Der ORC wurde 2011 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“ prämiert. Was zeichnet die Nachwuchsarbeit im Verein aus Ihrer Sicht aus?


Beim ORC trainieren alle Altersklassen zusammen. Die „Kleinen“ können die „Großen“ beim Training sehen und sich nicht nur etwas abschauen, sondern sich von ihnen und ihren Erfolgen motivieren lassen. Der Trainerstab arbeitet Hand in Hand. Talente werden sehr schnell gesichtet und gefördert.

Sie sind selbst im Juniorenalter nach Rostock gekommen. Welche Bedeutung hat der Verein für Ihre Karriere?

Ich verdanke dem Verein, aber besonders auch meinem Trainer, vieles. Ich bin im ORC sportlich groß geworden. Der Verein stand meist hinter mir.

Der ORC schrieb zu Ihrem Karriereende auf seiner Website, mit Ihnen verabschiede sich eine der "erfolgreichsten Athletinnen der vergangenen Jahre“. Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Welches Erlebnis ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Es gibt so viele Erlebnisse, an die ich mich gerne erinnere. Es wäre unfair sich ein spezielles heraussuchen zu müssen. Aber wenn ich müsste, sind die letzte zwei Jahre im Zweier mit Fini Sturm ein tolles Erlebnis gewesen. Wir haben uns gut ergänzt und sehr viel Spaß miteinander gehabt.

Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Faktor dafür, ob es ein Talent bis in die Leistungsspitze schafft?

Man muss den Biss haben, gegen sich selbst und die Gegner zu kämpfen. Es ist ja nicht der Wettkampf alleine. Das Training macht den Meister! Viele können sich im Training nicht mehr so quälen. Ich hatte immer Spaß daran, an die Grenzen zu gehen. Dies muss man auch um in der Leistungsspitze anzukommen. Der weiche Weg funktioniert dort nicht!

Aus Ihrer eigenen Erfahrung: Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie jungen Talenten - egal, aus welcher Sportart - für ihre sportliche Karriere mitgeben?

Glaubt an euch und eure Leistungsfähigkeit. Der erste, entscheidende Kampf beginnt nämlich im Kopf!

Foto: Jens Witte
Foto: Jens Witte

Von einer Karriere in der NFL, der amerikanischen Profi-Liga, träumen viele junge Footballer. Auch hierzulande. Diesen Traum aber zu leben – das können nicht viele von sich behaupten. Der Weg ist voller Entbehrungen. Paul Häberlein (20) hat schon viel geschafft und steht dennoch erst ganz am Anfang: Als Talent auserkoren, bekommt er ein Stipendium für die Lindenwood Uni Belleville bei St. Louis. Von München nach Missouri: Das Abenteuer kann beginnen.

Von Frank Schneller, Medienmannschaft

Zwei Pünktchen auf einem ‚a’ machen manchmal einen  großen Unterschied. Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Vor allem, wenn sich der kleine Schreibfehler in einem Visumantrag für die USA verbirgt. ‚Haberlein’ stand da geschrieben in den Unterlagen, welche die Verantwortlichen und Coaches vom Lindenwood College Belleville ihrem künftigen Studenten und Football-Lehrling Paul (20) zugeschickt hatten. Haben ja keine Umlaute, die Amerikaner. Also, noch mal von vorn. Haeberlein muss es heißen, maschinenlesbar eben. Wie im Pass. Das fehlende ‚e’ hätte also zum Problem werden können. Gab ohnehin schon einige bürokratische Hindernisse und Nachfragen. Korrigiert ist der Antrag. Nun läuft er.

Preiswert ist das alles nicht. Die Uni-Kosten belaufen sich auf rund 25.000 Dollar (ca. 23.000 Euro) – pro Jahr. Mit dem Stipendium ist es letztlich dennoch zu stemmen. Einen knapp fünfstelligen Euro-Betrag immerhin muss sein Vater dennoch berappen.

Ende Juli soll es soweit sein, dann kann Paul sich in Belleville einfinden – um sich zu akklimatisieren. Am 21. August ist Semester-Beginn, aber schon am 10. August startet die Footballmannschaft mit dem Training. Dann spätestens fängt für den Münchner ein neuer Lebensabschnitt an. Sein Stipendiums-Vertrag ist unbefristet – fünf Jahre dürfte der Spaß schon dauern: Mittrainieren. Studieren. Und möglichst bald: Spielen. Versuchen, es ins Team der Lindenwood Lynx zu schaffen. Als ‚Freshman’ wird er ein Zimmer auf dem Campus bekommen, eine kleine Wohnung später einmal – vielleicht. Die protzigen Villen der NFL-Profis sind noch nicht in Sicht.

Es wäre übertrieben zu behaupten, Paul sei ‚schon’ ein ‚Rookie’. Ist er nicht. Noch nicht. Vielleicht ist er im ersten Jahr nur ein hart trainierender Zuschauer. Die Bewerber auf einen Platz im Team sind zahlreich, die Plätze im Kader heiß begehrt. Der Wettbewerb dürfte eine neue Dimension annehmen. Es wird vermutlich ein mühsamer Weg, auf den sich Paul begibt. „Aber eben auch ein spannender“, sagt er. In jedem Fall wird’s ein Abenteuer. Und es ist ja nicht so, dass der Münchner nicht schon eine Menge geschafft hätte. Spielt ja noch gar nicht lange Football. Seit knapp vier Jahren erst. So gesehen ist der Wide Receiver ein Senkrechtstarter. Fing an bei den Munich Cowboys, im Juniorteam, und folgte dann seinem Mentor Tyler Davis zu den Baltic Hurricanes nach Kiel – in die German Football League. Zu den ‚Großen’.

Die Lehrjahre waren keine Herrenjahre. Aber Paul hat sich durchgekämpft. Trotz Verletzungen und großer Konkurrenz. Kiel war eine Art Meilenstein für ihn. „Rückblickend kann ich nur sagen, dass ich unheimlich viel Glück hatte, einerseits mit der Unterstützung meiner Familie, andererseits mit den Menschen die ich treffen durfte und ohne die ich die Lektionen vermutlich nicht gelernt hätte, die meinen Entschluss haben reifen lassen, es in den Staaten zu versuchen.“ Tyler Davis hat ihn animiert. Immer wieder ermutigt. (siehe auch Extra-Artikel „Da hat es Klick gemacht“ von Paul Häberlein > Link)

Nach München, in die Nähe seiner Eltern, kehrte er nur noch einmal zurück, um seine Bewerbung für die USA voranzutreiben. Und sich vorzubereiten auf den großen Schritt. Er hat sich bei deutschen Agenturen beworben. Im Oktober 2016 war das. Sein ‚Highlight’-Tape und seine Bewerbung eingereicht. Mehrere Agenturen kümmern sich in Deutschland darum, dass die größten Nachwuchstalente – sofern sie diesen Traum leben wollen – den Sprung nach Übersee schaffen. Vorerst jedenfalls. Die erste Agentur, bei der Paul versucht hatte, ins Portfolio aufgenommen zu werden, beschied ihn abschlägig: „Keine Chance“. Die zweite aber – Scholarbook heißt sie– antworte, das könne durchaus klappen mit dem US-College. Sie nahm Paul auf in ihr System. Und bewies damit Gespür: Elf Interessenten klickten auf Pauls Profil, zeigten Interesse. Sechs Colleges und Universitäten sahen genau hin. Vier wollten ihn dann haben. Eine gute Quote.

Doch wohin gehen? Nebraska? Florida? Chicago? Der vierte Interessent war Pauls Favorit: Die Lindenwood University aus Belleville, St. Louis – der Stadt im mittleren Westen der USA, die als das Tor zum Westen gilt. Der gigantische Torbogen, ‚Gateway Arch’ genannt, am Mississippi – ein unübersehbares Monument – ist berühmt.

Er entschied sich für St. Louis. Das Studentenstädtchen Belleville ist ein Vorort, ‚Suburbs’ heißen diese in den USA. Das College dort hat einen guten Ruf, es ist sehr international und sportbegeistert – fast 1.000 Studenten betreiben hier Spitzensport. Auch Tyler Davis, dessen Vater ein berühmter Footballer war, hat ihm zur Uni von Belleville geraten. Tyler wohnt jetzt ebenfalls nahe St. Louis, nur rund 15 Minuten Autofahrt vom Campus entfernt. „Schon witzig, wie der Lauf der Dinge manchmal ist“, sagt Paul. Tipps wird er von seinem Kumpel viele bekommen.

Im Februar 2017 war die tolle Nachricht eingetroffen: Paul wird angenommen in Belleville. Einige Beklemmungen und Zweifel lagen zwischen Bewerbung und Zusage zwar schon noch. Paul, ein sehr reflektierender, sensibler junger Mann, kam ab und an ein wenig ins Grübeln. „Doch letztendlich konnte ich gar nicht absagen, denn dann hätte ich das für immer mit mir herum geschleppt. Hätte mich immer fragen müssen: Was wäre gewesen, wenn ...“ Diesen Selbstvorwürfen wollte er sich nicht aussetzen.

Pauls Vater Tom, ein erfahrener Sportjournalist und nach einigen Jahren als Amerika-Korrespondent selbst Kenner des US-Sports, hat sich wenig eingemischt. „Ich habe ihm gesagt, ich trage jede Entscheidung, die er fällt, mit. Nur solle er dann zu dieser Entscheidung auch stehen und konsequent danach handeln. Nicht zaudern.“

Das Zaudern, das ist inzwischen vorbei. Klar, da ist eine große Portion Respekt vor dem, was kommt – „aber das muss auch so sein“, sagt Paul. „Wenn ich mich damit auseinandersetze, wo ich vor nicht mal vier Jahren als Footballer stand, und dass ich jetzt etwas ausprobieren und erleben kann, wovon andere träumen, dann bin ich dankbar und auch ein wenig stolz. Es gibt mir Selbstvertrauen, mich so entschieden zu haben. Es wird sicher eine riesige Erfahrung, die mein Leben prägt und von der ich – so oder so – immer profitieren werde.“

Wie ein Greenhorn klingt das alles nicht, was der 20-Jährige da so von sich gibt. Man hat ihm auch viel Mut gemacht. „Wir freuen uns riesig, weil wir wissen, dass wir da bald einen höllisch guten Wide Receiver auf unserem Campus begrüßen dürfen“, schrieb ‚Recruiting Coordinator’ und Defense Coach der Lynx, Jason Rejfek neulich nach München.

Es mag Momente, ja vielleicht sogar Tage und Wochen geben, in denen er sich dennoch wie ein Greenhorn fühlt da drüben im fernen Missouri. In jedem Fall aber lebt er seinen Traum. Er will sich durchsetzen. Nicht einmal ein kleiner Umlaut in seinem Nachnamen soll ihn davon jetzt noch abhalten.

 

Quelle: Jens Witte
Quelle: Jens Witte

Von Paul Häberlein

In seinem Aufsatz berichtet Paul Häberlein von seinem rasanten Werdegang als junger Footballspieler, dem Wechsel in den hohen Norden, schweren Momenten im fernen Kiel, seinem Mentor Tyler und der Geburt des Traums vom Touchdown im Mutterland des American Footballs – der Aufnahme an einer Uni in den Vereinigten Staaten.

Es war im Winter 2014. Meine Abiturphase näherte sich und meine Unentschlossenheit bezüglich meiner Zukunft verwandelte sich keineswegs in zielstrebige Gewissheit. Studium? Ingenieurwesen? Okay, dazu motivierte mich eher der Gedanke an das spätere Einstiegsgehalt als eine wirkliche Faszination. Klar hatte ich im Hinterkopf, dass ich seit knapp einem halben Jahr sportlich neue Wege ging, da ich mit einer neuen Sportart – Football – begonnen hatte. Doch ernsthafte Ambitionen in diese Richtung hatte ich keine. Ich sah einfach wenig Chancen, auf ein College zu kommen. Dann wechselte Tyler Davis, ein ehemaliger Spieler der Munich Cowboys Seniors – das war das Bundesliga-Team des Vereins, für den ich in der A Jugend spielte –, nach Kiel. Und da wusste ich plötzlich: Ihm wollte  ich folgen. Ein verrückter Gedanke – klar. Was sollte ich in Kiel bezüglich meiner Zukunft machen? Noch dazu fernab meiner Familie und Freunde?

Mit Tyler verband mich Ende der Saison 2014 – im Oktober – ein spezielles Verhältnis. Er war eines Tages während eines meiner Spiele an der Seitenlinie aufgetaucht, als ich meinem Gegenspieler gegenüberstand. Er rief mir zu: „Give him some moves“. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, was er mit „moves“ meinte. Er hat mir dann allerdings in den folgenden Wochen mehr über Football beigebracht als ich in den vorherigen acht Monaten gelernt hatte;tatsächlich bereits mehr in zehn Minuten Crashkurs nach einem Spiel. Zu sagen, er hätte mich inspiriert, wäre wohl zu kurz gegriffen. Allerdings war bereits klar, dass er nicht mehr nach München zurückkommen würde. Sein Ziel war die NFL und dafür musste er zu einem besseren Footballprogramm wechseln: Das GFL Powerhouse in Kiel.

Via Social Media blieb ich mit ihm in Kontakt, und nachdem er bei den Baltic Hurricanes unterschrieben hatte, ermunterte er mich zunehmend , ebenfalls nach Kiel zu gehen, da dies meiner Entwicklung am besten täte. Eigentlich hatte ich noch ein Jahr in der Jugend zu spielen, doch er meinte, dass ich mich als 18-Jähriger spätestens jetzt mit erwachsenen Spielern messen sollte, wenn ich in die USA wollte. Der Collegetraum schien mir zu dieser Zeit immer noch unrealistisch, ich wollte einfach nur meinem Vorbild und Mentor folgen. Der, da war ich sicher, würde mich weiterbringen.

Zunächst fühlte sich der Gedanke, meine Freunde und Familie zu verlassen, völlig wild an. Doch nachdem ich meinen Eltern von der Idee erzählt hatte und sie zu meiner Überraschung diese gar nicht duschgeknallt fanden, wurde der Gedanke immer klarer. Meine Eltern waren fantastisch in dieser Phase  – wie auch in jeder anderen, natürlich – und haben das alles erst möglich gemacht. Umzug etc. – ich hatte ihre volle Unterstützung. Nebenher hatte ich ein FSJ als Plan B angestrebt und mich für dieses beworben.

Der nächste Termin war das Pre-Season Trainingscamp der Baltic Hurricanes im März. Ich flog dort hin, um Organisation und Stadt besser kennenzulernen. Und natürlich, um Football zu spielen und Tyler und meine Freunde wieder zu sehen – drei weitere Spieler waren nämlich von München nach Kiel gewechselt. Gute Kumpels von mir. War natürlich alles furchtbar aufregend. Eine Flut an neuen Eindrücken stürzte auf mich ein. Die Organisation in Kiel war nicht mit der in München vergleichbar: Eigene Autoflotte, eigene Büros, feste Mitarbeiter, Drohnen im Training zur Videoanalyse und, und, und ...

Doch was sich wirklich wie ein Eimer kaltes Wasser ins Gesicht anfühlte, war der Level, auf dem dort Football gespielt wurde. Klar: Ich war mit mindestens zehn Kilo weniger der mit Abstand leichteste Spieler, doch auch recht selbstbewusst angesichts meiner Fähigkeiten. Aber, meine Güte, habe ich in diesen drei Tagen – sorry – auf die Fresse bekommen. Das war eine „Learning Experience“ und „humbling“, wie der Amerikaner sagt. Hat auch Tyler gemerkt und mir deutlich gemacht, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe, wenn wir Ringe, sprich Meisterschaften, gewinnen wollten.

Also hatte ich die nächsten zwei Monate bis zu meinem Abi, nach dem ich endlich nach Kiel konnte, eine Mission: drastisch besser zu werden. In allen Bereichen. Ich spielte die ersten zwei Spiele der Saison in der Jugend der Cowboys und bin ganz gut abgegangen: Acht Catches, 197 Yards, drei Touchdowns. Dementsprechend gut fühlte ich mich, als ich dann aufbrach in den Norden. Doch dieses Hochgefühl verflog schnell, es gab wieder mächtig auf die Knochen bei den „Canes“. Neben dem Sportlichen waren natürlich die erste eigene Wohnung, das freiwillige soziale Jahr, das Erkunden einer neuen Stadt und das Treffen neuer Leute die größten Faktoren für meine charakterliche Entwicklung.

Da ich erst Mitte der Saison zum Team gestoßen war, musste ich schnell feststellen, dass ich überfordert war: Das komplexe Playbook, die überlegenen Mitspieler, mein Eins-gegen-Eins-Nachholbedarf usw. – zunächst blieben für mich nur Einsätze im One on One (Receiver und Defensive Back) und im Scout Team. Auf dem Programm: wöchentliches Durchgehen der Spielzüge des kommenden Gegners. Dennoch: Ich hab so viel gelernt in dieser Zeit. Von meinem Receiver-Coach Tom Freches, von Timo Zorn und natürlich von Tyler. Die wöchentliche Competition mit diesen Spielern hat mir immens viel gegeben. Auch wenn es sehr, sehr hart war. Doch das war eine von vielen wichtigen Lektionen: Nur weil man schlecht spielt, heißt das nicht, dass man sich nicht verbessern kann. Im Gegenteil: Je heftiger der Rückschlag, desto wertvoller die potentielle Lektion. Man muss nur positiv bleiben und in den Prozess verliebt sein, dann bekommt man ein unerschütterliches Selbstvertrauen, das einem auch echt keiner nehmen kann.

Wegen des FSJs habe ich jedoch immer wieder Spiele und Trainingseinheiten verpasst. Zum Ende der Saison hin beschloss ich deshalb, dieses zu beenden, um mich voll auf den Football fokussieren zu können. Ob es daran lag, dass mein Kopf jetzt endlich frei war für Football, oder ob ich weniger nachdachte und mehr instinktiv spielte – auf jeden Fall wurde ich schlagartig besser. Mein Coach sagte mir, dass meine Entwicklung regelrecht explodiert sei, nachdem sie lange stagniert hatte. So hoffte ich natürlich, im kommenden Playoff-Spiel Einsatzzeit zu bekommen. Nach meiner ersten Höllenfahrt – 14 Stunden mit dem Bus von Kiel ins Allgäu nach Kempten – folgte aber leider auch meine erste wirklich bitterer Niederlage, da wir als Favorit im Viertelfinale nach einem engen Spiel rausflogen.

Das bedeutete, dass nach fast sechs Monaten die Abreise der Amerikaner anstand. Und damit der Abschied von den nahezu einzigen Menschen, mit denen ich in Kiel bis dahin Zeit verbrachte, da ich bis jetzt nicht viele enge Freundschaften geschlossen hatte. Doch bevor Tyler ging, redete er mir nochmals gut zu. Und da ich recht emotional drauf war, beschloss ich nun endgültig, meine ganze Energie darauf zu konzentrieren, auf ein US-College zu kommen. Immer noch hatte ich Selbstzweifel, das gebe ich zu: War ich überhaupt gut genug, groß genug, schnell genug, noch jung genug? Doch Tyler ließ nicht locker. Sein Spruch für mich lautete: „Courage ist, einen Weg zu gehen mit aller Energie, ohne zu wissen, wo er hinführt.“ Da hat es bei mir klick gemacht. Ich habe begonnen, mich sehr in Visualisierungstechniken zu vertiefen, oder anders ausgedrückt: strukturiert und mittelfristig zu träumen.

Nun stand also die Phase der Isolation an, die ich schon damals in München visualisiert hatte. Isolation ist vielleicht ein bisschen hart formuliert, aber mein Tagesablauf bestand tatsächlich ausschließlich aus Aufstehen, Essen, Trainieren, Essen, Trainieren, Schlafen. Und das zwei Monate lang. Natürlich habe ich in dieser Zeit die größten physischen Fortschritte überhaupt gemacht; allerdings auch wenig zwischenmenschliche Kontakte außer zu meinen Eltern gepflegt.

Dann habe ich mich kurz vor Beginn des Hallentrainings, auf das ich sehnlichst gewartet hatte, am Rücken verletzt und das frustrierte mich natürlich, weil ich von Beginn an einen guten Eindruck machen wollte. Schließlich hatten wir inzwischen einen neuen Headcoach. Und da viele Stammspieler auf meine Position gegangen waren, hatte ich eine reale Chance, künftig zu starten, was natürlich Voraussetzung für eine Bewerbung am College war. Während der Verletzung habe ich viel mit der Vereinsphysiotherapeutin Maria gearbeitet.

Sie hat mir echt Balance gegeben. Einerseits durch die Eröffnung eines Freundeskreises, in den sie mich so ein wenig eingeführt hat – was sehr wichtig war, denn dieser zeigte mir, dass man sich nicht nur sich selbst gegenüber sondern auch nach außen hin öffnen sollte. Andererseits hat sie mir gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur kräftiger und schneller zu werden, sondern auch flexibler und anpassungsfähiger, damit sich Verletzungen nicht so leicht einschleichen können. Sie hat mir sozusagen die Lektion gelehrt, die richtige Balance zu suchen und sich neuen Übungen zu öffnen.

Bis April begann sich mein Ziel langsam herauszukristallisieren. Endlich wieder Football endlich wieder Eins-gegen-Eins, endlich wieder Competition und Trash Talk. (I love it!) Ich habe mich in dieser Zeit als Starter in den Kader gespielt und wieder dachte ich, unbesiegbar zu sein. Und dann? Bämm! Schwere Zerrung des hinteren Oberschenkelmuskels – sechs Wochen Pause. Vier davon in der Reha. Wieder raus. Das hat mich echt fertig gemacht, denn kurz darauf begann die Saison und ich musste zusehen wie alle meine Teamkollegen sich beweisen und dem Coach imponieren konnten. Das war nicht mal so schlimm, ich bin ein Teamplayer, neben dem Feld hab ich geschrien, mitgefiebert und mich für sie von Herzen gefreut. Schlimm waren die Momente alleine auf der Couch, in denen ich mich fragte, ob ich überhaupt wieder gesund werde, wieder der ‚Alte’ – und ob ich überhaupt noch mein Ziel würde erreichen können . Momente, in denen man einfach nur trainieren und das machen will, was man liebt. Aber, wie heißt es doch? Am dunkelsten ist die Nacht vor der Dämmerung.

Natürlich wurde ich wieder gesund, der ‚Alte’ und konnte schon bald wieder trainieren. Doch nun hatte sich das Team gebildet und ich war in der Zweiten Reihe – als Back Up. Aber wenigstens auf dem Feld, das war alles was ich gebraucht hatte.

Im ersten Spiel, in dem ich ran durfte, war meine Einsatzzeit noch begrenzt. Der Trainer kam auf mich zu und verstand, dass ich frustriert war. Doch ich sagte ihm, dass ich das verstehen und als Motivation nutzen würde. Das zweite Spiel war ein ‚Blow Out’ und ich kam recht schnell aufs Feld. Kurz vor Ende schaffte ich meinen ersten Touchdown und wusste: das ist der Durchbruch! Im nächsten Match verletzte sich ein Receiver und ich kam für ihn in die Startaufstellung. Von da an schaute ich nicht mehr zurück. Ich startete den Rest der Saison – in jedem Spiel.
 
Gegen den amtierenden Deutschen Meister aus Braunschweig scorte ich ebenfalls einmal und von da an war auch der Trainer von mir als Starter überzeugt, auch wenn wir das Spiel mit einem entscheidenden Fieldgoal in letzter Sekunde 24:21 verloren. Wir wussten, wir würden Braunschweig in den Playoffs wiedersehen und unsere Revanche bekommen. Die restlichen Saisonspiele hatten wir alle im Griff. Wir waren den Gegnern von nun an deutlich überlegen – und ich scorte zwei weitere Male.

Das erste Playoff-Spiel stand gegen Frankfurt Universe an, die mit starken finanziellen Mitteln zuvor in die erste Liga aufgestiegen waren. Wir alle waren sehr aufgeregt, da jeder von uns auf die Revanche gegen Braunschweig im Halbfinale brannte. Das Frankfurt-Match fand vor einer grandiosen Kulisse statt: 6.000 Zuschauer. Aber es war eine Regenschlacht. Am Ende eines dramatischen Showdowns hatten wir 10:7 gewonnen – und standen im Halbfinale. Das war der schönste Sieg meiner Karriere bis dato.

Nun stand also tatsächlich das erneute Duell gegen Braunschweig an. Ich rechnete fest damit, dass wir sie schlagen würden. All unsere Jungs taten das. Doch es kam anders: Wir wurden recht eindeutig abgefertigt und Braunschweig gewann verdient, auch wenn ich in der Halbzeitpause, als es 21:14 stand, immer noch fest daran glaubte, zu gewinnen. Dementsprechend haben mich dann meine Emotionen auch überwältigt nach der Niederlage, da ich wusste, dass das der Anfang des Endes meines Kiel-Abenteuers war. Gleichzeitig aber auch der Beginn meiner ’Mission USA’.

Dafür gab es noch etwas Wichtiges zu erledigen: Ich musste mein Highlight-Tape der Saison an die US-Colleges senden... Und diese Geschichte ist hoffentlich erst der Anfang.



Foto: Jens Witte
Foto: Jens Witte

2005 und 2011 wurden die Wasserfreunde Spandau mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet. Maurice Jüngling ist eines der Eigengewächse, dem der Sprung in das Bundesligateam gelang. Inzwischen kümmert sich der A-Nationalspieler selbst um den Nachwuchs.

Was zeichnet die Spandauer Nachwuchsarbeit aus?

Dass wir alle sehr eng zusammenarbeiten. Der Verein ist sehr bedacht darauf, dass wir Bundesligaspieler uns einbringen und den Kiddies unsere Erfahrung weitergeben. Ich bin zum Beispiel Co-Trainer bei der U13, Philipp Gottfried betreut die U11. So sieht der Nachwuchs direkt, wo es mal hingehen kann. Wir haben im Jugendbereich zudem sehr viele, die ein bisschen dicker sind. Ich zeige ihnen gerne mal ein Foto, wie ich in der Jugend aussah. Ich war immer etwas kleiner und dicker - und jetzt bin ich sehr kräftig, aber nicht fett (lacht). Das ist für die Kids ein gutes Beispiel, was sich mit harter Arbeit und weniger Süßigkeiten erreichen lässt.

Sie spielen seit 2002 für den Verein. Haben Sie je überlegt, zu wechseln?

Als ich von der Jugend in die Bundesliga gekommen bin, gab es einen Moment. In der Jugend war ich Führungsspieler, im Herrenbereich war ich dann erst einmal ein kleines Licht. Das war ungewohnt. Daher gab es Überlegungen, ob ich für ein Jahr den Verein wechsele, um Spielpraxis zu sammeln. Aber letztendlich habe ich gesagt: Ich will mich hier durchsetzen - und am Ende hat das geklappt.

Was haben Sie noch für Ziele?

Mein ganz großes Ziel ist es natürlich, zu Olympia zu fahren. Das ist uns bisher verwehrt geblieben. Mit dem Verein will ich wieder Meister werden, Pokalsieger - das haben wir dieses Jahr leider nicht geschafft - und endlich am Final Six in der Champions League teilnehmen.

Wie schwierig ist es in Berlin, Aufmerksamkeit für den Wasserball zu bekommen?

Das ist sehr, sehr schwierig. Die Handballer der Füchse und die Volleys sind oben dabei und Hertha gibt es sowieso. Wasserball kennt hingegen kaum jemand, auch die Regeln werden meist nicht verstanden. Das ist natürlich schade, weil es ein sehr attraktiver Sport ist - anders als beim Fußball fällt ja nicht nur ein Tor pro Spiel (lacht).

Was können Sie dem Nachwuchs für einen Rat mitgeben?

Wichtig ist, dass man nie aufgibt! Mir hat man in der Jugend gesagt: „Aus dir wird eh nix!“ Das hat mich sehr motiviert. Daher: Vollgas geben bei jeder Trainingseinheit, sich nie ausruhen und - auch, wenn man das als Kind nicht glaubt - auf die Ernährung achten!

Quelle: Privat
Quelle: Privat

Der FC Bayern hat auf die in den letzten Jahren viel zu geringe Durchlässigkeit seiner Nachwuchstalente in Richtung Profikader reagiert. 2016 beispielsweise holten die Münchner Alex Moj, Jahrgang ’88 und seit seinem 26. Lebensjahr Inhaber der A-Lizenz, aus Augsburg. Er hat die Verantwortung für die U14 – arbeitet also an der Schnittstelle zwischen unbekümmertem Spaß und leistungsorientierter Ausbildung.

Julian Nagelsmann, Hoffenheims Erfolgscoach, ist ein Ausnahmetalent unter den jungen Fußball-Lehrern. Aber er ist nicht der einzige Hochbegabte der neuen Trainergeneration. Insider sind überzeugt: Alex Moj (29), der U14-Trainer des FC Bayern, ist auch so einer. Seine Jungs spielen – äußerst erfolgreich – in der sogenannten NLZ-Förderrunde, einer regional unterteilten Bundesliga für U14- und U15-Teams (C-Jun.). Die größten Rivalen sind der 1. FC Nürnberg, 1860 München und sein ehemaliger Klub, der FC Augsburg. Wir wollten wissen: Wie läuft die Nachwuchsarbeit bei einem Weltverein wie Bayern München. Frank Schneller von der Medienmannschaft sprach mit dem begabten Jungcoach.

Herr Moj, Sie sind ein noch sehr junger A-Lizenz-Inhaber. Wie sah denn Ihr Weg bis hierher aus?
Nun, ich bin ein sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch, der das natürlich auch in jeder Einheit und in jedem Wettkampf von seinen Spielern einfordert. Mit 18 Jahren habe ich bereits als Co-Trainer in der U16 beim FC Augsburg anfangen dürfen, danach als Co-Trainer der U15. Anschließend habe ich die einzelnen Teams der U8 bis U14 als Cheftrainer durchlaufen und konnte somit – was ich als sehr wichtig empfinde – in den unterschiedlichen Altersklassen meine Erfahrungen sammeln.

Haben Sie nach dem frühzeitigen, verletzungsbedingten Ende Ihrer aktiven Laufbahn sofort beschlossen: Okay, dann werde ich eben Trainer?
Nach etlichen Verletzungen in der Jugend habe ich nach meinem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr im Sport – beim FC Augsburg – absolviert und dabei den ersten Trainerschein machen dürfen. Gleichzeitig konnte ich in verschiedenen U-Mannschaften hospitieren und meine Erfahrungen machen. Mir war dann sehr schnell klar, dass mir das sehr viel Spaß macht. Daraus wurde dann schnell eine Leidenschaft, die ich nicht mehr missen möchte. Klar: Als junger Spieler hatte auch ich das Ziel, Fußballprofi zu werden, aber im Nachhinein bin ich sehr froh und dankbar, diesen Weg gegangen zu sein. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, die Jungs in ihrer Entwicklung zu beobachten und diese zu begleiten. Und hoffentlich einen Teil dazu beizutragen, dass sie irgendwann ihren Traum verwirklichen können oder – falls das nicht klappt – eine super Zeit und Ausbildung genossen zu haben. Sportlich und pädagogisch!

Braucht der moderne Fußball Trainer, die die Sprache der Kids, Jugendlichen und jungen Männer spricht? Der weiß, was Social Media ist? Wie man twittert? Der Selfies macht?
Das allerwichtigste ist – wie vorher schon erwähnt – authentisch zu sein. Jeder Trainer hat seine eigene Persönlichkeit und seine eigenen Umgangsformen mit den Spielern. Einen goldenen Weg gibt es hier nicht, jeder Trainer muss für sich rausfinden, welcher der richtige für ihn ist und dabei immer ehrlich gegenüber den Spielern sein. Dennoch glaube ich, dass eine gewisse Affinität zu den sozialen Netzwerken und den modernen Medien unabdingbar ist bzw. in den kommenden Jahren sein wird. Zum einen kann man die Fortschritte der Technologie für den Trainings- und Spielbetrieb nutzen, zum anderen hilft es aber auch dabei, die Jugendlichen und jungen Männer in ihrem Verhalten zu verstehen. Vor allem im Jugendbereich ist es sehr wichtig, ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Spielern zu haben, dementsprechend auch zu wissen, mit welchen Einflüssen sie klarkommen müssen. Die Spieler müssen sich – vor allem in jungen Jahren – wohlfühlen, um ihr optimales Leistungsvermögen ausschöpfen zu können.

Und die eher traditionellen Werte?
Die sollten keinesfalls vernachlässigt und ersetzt werden. Grundtugenden wie Ehrlichkeit, Loyalität, Leidenschaft sollten von jedem Trainer eingefordert und natürlich aus selbst vorgelebt werden – wie alles, was man von seinen Jungs verlangt. Die Spieler sollen neben den genannten Tugenden niemals die Liebe für und vor allem den Spaß an ihrem Sport verlieren. Eine ganz entscheidende Aufgabe eines Trainers ist es, neben der sportlichen Ausbildung, die Spieler – vor allem im Jugendbereich – in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Die Kunst eines Trainers ist es, traditionelle und modere Faktoren optimal zu verknüpfen und dabei stets authentisch zu bleiben.

Teamgeist, taktisches Konzept, Hierarchie, Social Skills usw.: Glauben Sie, es ist ein großer Unterschied, ob man eine Nachwuchstruppe aufzubauen hat oder eine Profitruppe?
Schon, ja. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bzw. Heranwachsenden sind Pädagogik, Erziehung und Feingefühl viel wichtiger. Natürlich ist es im taktischen Bereich deutlich einfacher, einem erwachsenen Profi Dinge zu vermitteln, da dieser bereits viel Erfahrung gesammelt und verschiedene Trainer in seiner Laufbahn erlebt hat. Dies kann allerdings gleichzeitig ein Nachteil sein. Bestimmte taktische und technische Dinge sind evtl. bereits eingeschliffen und nur schwer rauszubekommen bzw. zu verändern. Bei einem Jugendspieler ist die Vermittlung der Lehrinhalte deutlich einfacher, da sie noch nicht so ‚festgefahren‘ sind und offen für neue Einflüsse und Anreize. Allerdings kann man in den ganz frühen U-Bereichen thematisch in einigen taktischen Bereichen nicht so sehr in die Tiefe gehen wie bei einem Profi. Welche Aufgabe schwerer oder einfacher ist – das lässt sich nicht eindeutig beantworten.

Die besten Coaches, so heißt es in vielen Sportarten, sollten eigentlich im Nachwuchsbereich tätig sein, da sie dort am meisten gebraucht werden. Aber, Hand aufs Herz: Wollen sie im Nachwuchsbereich bleiben – oder streben Sie nach einem Job im Männerbereich, in der Bundesliga?

Die besten Trainer werden tatsächlich im Nachwuchs benötigt. Dort werden die Grundlagen ausgebildet und der Grundstein für eine eventuelle Karriere gelegt. Es macht mir unglaublich viel Spaß, im Nachwuchs zu arbeiten, die Entwicklung der Jungs voranzutreiben und sie auf eine mögliche Profikarriere optimal vorzubereiten. Aber klar ist auch, dass es der Traum fast aller Trainer ist, genauso wie auch der Spieler, irgendwann in den Profibereich zu kommen, es in die Bundesliga zu schaffen. Diesbezüglich setze ich mir aber keine Fristen oder Zeitpunkte. Ich bin absolut zufrieden mit der Arbeit im Nachwuchs und könnte mir momentan nichts Schöneres vorstellen. Aber den Traum zu haben, irgendwann als Profitrainer arbeiten zu dürfen, muss erlaubt sein.

Wie wichtig sind die Eltern im Umfeld der Jugendteams? Welche Rolle spielen diese für Ihre Arbeit?
Die Eltern sind natürlich sehr wichtig für junge Menschen, dementsprechend auch für die  Jugendspieler und die Jugendmannschaften. Die Schwierigkeit im Nachwuchsfußball ist es, das Umfeld der Spieler stets zu berücksichtigen. Die Kinder kommen teilweise aus verschiedensten soziokulturellen Umfeldern und sind natürlich dementsprechend in ihrem Verhalten geprägt. Dies zu berücksichtigen und einschätzen zu können ist extrem wichtig, aber auch schwierig für Jugendtrainer. Natürlich muss man sich auch mit den Eltern auseinandersetzen, da die Spieler im Nachwuchs noch nicht volljährig sind und die Eltern die Hauptverantwortung haben. Die schwierigste Aufgabe ist es eben, einen Mittelweg aus Kommunikation und Abstand zu finden. Wenn Eltern dann überehrgeizig sind und ihre Kinder zusätzlich unter Druck setzen, ist das schädlich – dann muss ich gegensteuern.

Quelle: Schweriner SC
Quelle: Schweriner SC

Beim Schweriner SC steht die Entwicklung des Volleyball-Nachwuchses im Zentrum der Arbeit

Die drei Felder in der großen Volleyballhalle am Lambrechtsgrund sind an diesem Nachmittag gut gefüllt. Gemischte Schulgruppen, fast alle in Volleyballtrikots, nutzen die Arena, in der sonst die Profis des Schweriner SC spielen. In einem Segment wird blocken geübt, im hinteren Aufschläge, im mittleren spielen die Jugendlichen Uni-Hockey, eine Hockey-Variante mit leichtem Ball. Traumhafte Bedingungen für den Schweriner Volleyball-Nachwuchs. Die Wege sind kurz. Denn um die Ecke liegt das Sportgymnasium mit seinem Volleyball-Schwerpunkt. Hier ist auch der 32 Jahre alte Felix Koslowski zur Schule gegangen. Für ihn ist es längst Normalität, dass er auf seinen Wegen durch die Arena ständig auf Volleyball-begeisterte Schülerinnen trifft. Schüler sind auch dabei, aber der Schweriner SC ist nun einmal das deutsche Aushängeschild in Sachen Frauen-Volleyball – und zusammen mit Berlin und Dresden die Kaderschmiede für talentierten weiblichen Nachwuchs. Koslowski, Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft und seit Januar auch Frauen-Bundestrainer, sagt: „Nicht nur die Bedingungen sind hier gut. Die Mädchen sehen auch, was man werden kann, wenn man dran bleibt. Sie haben hier ihre Idole zum Greifen nahe.“ Denise Hanke, Lenka Dürr oder Maren Brinker sind für die 160 Kinder und Jugendlichen, die beim SSC Volleyball in der Jugendabteilung spielen, keine fernen Stars, sondern ganz reale Vorbilder. Ab der U12 beginnen hier die leistungsorientierten Wettkämpfe; vorher steht der Spaß am Spiel im Vordergrund. Wer den ganzen Weg zurücklegt, kann ein ganz besonderes Schweriner Konstrukt nutzen: die U20-Mannschaft hat als VC Olympia Schwerin ein Sonderspielrecht in der zweiten Bundesliga, ohne Auf- und Abstieg. „Hier kristallisiert sich heraus, wer wirklich bereit dazu ist, einen Schritt weiter zu gehen und eine Profikarriere ins Auge zu fassen“, sagt Bart-Jan van der Mark, Cheftrainer des VCO. Im VCO wird der beste weibliche Nachwuchs an den Profisport herangeführt – auf verschiedenen Wegen. Die 18 Jahre alten  Marie Holstein und Michaela Wessely sammelten in der vorvergangenen Saison schon Erfahrungen in der Bundesliga-Mannschaft, bevor  sie nach  Erfurt und Köpenick gingen. Andere Mädchen wollen weiterspielen, aber nicht auf höchstem Niveau, sie suchen sich Klubs in der zweiten Liga. Wieder andere gehen nach dem Abitur mit einem Stipendium in die USA. Und einige beenden die Volleyball-Karriere auch in jungen Jahren, etwa aufgrund von Verletzungen. Der SSC hat als Leuchtturmklub im Nordosten dabei eine besondere Verantwortung und immer die gesamte Person im Blick: „Wir wollen nicht nur Technik und Taktik der Mädchen verbessern. Gerade in diesem Alter verändert sich viel, die Mädchen entdecken, dass es mehr im Leben gibt als Volleyball“, sagt der Niederländer van der Mark, „Schule, Familie, Freunde fordern ihre Aufmerksamkeit, und es ist wichtig, die richtige Balance zu finden. Wenn es in einem der Bereiche nicht läuft, läuft es auch im Sport nicht rund. Das ist viel Arbeit für uns. Und zwar nicht nur in der Halle.“ Es ist auch erfolgreiche Arbeit – 2016 wurde die U20 des SSC Deutscher Meister; die U18 Dritter. Sieben Trainer und viele Assistenten kümmern sich um den SSC-Nachwuchs. In Felix Koslowski haben die Schwerinerinnen zudem ein Eigengewächs als Chefcoach, der sich um Durchlässigkeit von unten nach oben bemüht. Auch wenn es schwer ist – denn auf diesem Niveau verdrängt schon mal eine namhafte Spielerin den Jungstar oder versperrt den Platz gleich ganz. Koslowski hat aber das große Ganze im Blick. Er trainiert die Frauen des SSC seit 2013, er ist hier geboren, hat auf dem Sportgymnasium sein Abitur gemacht, hat hier gespielt, er ist täglich in der Stadt unterwegs, oft mit seiner Freundin und den beiden Töchtern. Sein Weg ist von Ehrgeiz gekennzeichnet, und Koslowski erzählt die Story freimütig: Als er 2006 beim Schweriner Erfolgscoach Tore Aleksandersen als Mädchen für alles in die Lehre ging, nachts in einem Einkaufszentrum saubermachte und quasi im Sportzentrum des SSC lebte. Die kleine Wohnung um die Ecke sah er nur zum schlafen – wenn überhaupt. Demut, Neugierde, Mut, Arbeitseifer: Koslowski hat einige Antriebsfedern, die ihn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist, und er ist viele Umwege gegangen, hat in Japan, Italien und in Suhl auch als Männer-Trainer gearbeitet. Dass ihn das zu einem Vorbild für viele junge Spielerinnen macht, versteht sich von selbst.

Quelle: Frank Molter
Quelle: Frank Molter

Simon Werner und Sven Trimborn sind Jugendfußballtrainer mit Leib und Seele.

Nach 20 Sekunden steht es 2:0 für den Gegner. Einmal haben sie gepennt gleich nach dem Anstoß, dann landet ein abgefälschter Ball im eigenen Netz. „Werdet mal wach!“, ruft Trainer Simon Werner aufs Spielfeld. Könnte nicht schaden, auch wenn der Anstoß in der Mittagszeit lag.

Wach wird an diesem Samstag im Hamburger Nordwesten keiner seiner zehn Jungs aus der jungen F-Jugend des SV Grün-Weiss Eimsbüttel so wirklich. Eher noch schläfriger. Am Ende steht es 3:11. Simon Werners Freund und zweiter Trainer der Sieben- und Achtjährigen, Sven Trimborn, hat vom Rand aus noch freundlich gelobt, was so gerade noch zu loben war und versucht, sich nicht über den lauten und dominanten Trainer der Heimmannschaft aufzuregen, der pausenlos aufs Feld brüllt und seine Spieler anweist.

Hinterher versammeln die beiden ihre enttäuschten Spieler und versuchen, ihre Kritik angemessen zu verpacken. Ein ziemlich verdorbener Vormittag. „Ich bin nach so einem Spiel einfach sauer, enttäuscht“, sagt der 38 Jahre alte Werner, „ich überlege mir aber schnell auch, woran es gelegen haben könnte. Habe ich vielleicht zu viel gesabbelt in der Kabine?“ Frust. Das ist auch beim vier Jahre jüngeren Trimborn nicht anders: „Es sieht vielleicht nicht so aus, aber ich bin das ganze Wochenende total angefressen nach einem blöden Spiel, wenn der Gegner nur mit kick and rush gewinnt.“

Fast fünf Jahre haben die Freunde schon gemeinsam an der Seitenlinie und beim Training verbracht, als sie die G-Jugend des Hamburger Vereins SC Victoria von 2010 an bis hoch zur alten E-Jugend begleiteten und aus ihr eine Spitzenmannschaft formten. Nach ein paar Überlegungen ging dann im März 2016 alles von vorn los – bei GW Eimsbüttel, einem kleinen Klub, bei dem Werner einst in der Jugend im Tor stand. Er hat drei Kinder, und seinen jüngeren Sohn nahm er in die neue Mannschaft mit. Trimborn hat auch Familie mit zwei Kindern. Wann immer möglich, leiten die beiden die Trainings zusammen, sind bei Spielen und Turnieren beide anwesend. Sie bekommen dafür: nichts. Nicht einmal eine Aufwandsentschädigung.

Beim Training fressen ihnen die Kinder aus der Hand. Werner und Trimborn lassen sehr viel „Funino“ trainieren. Das ist eine Kleinfeldform mit dem Spiel drei gegen drei auf vier Tore. Hinzu kommen koordinative Übungen und immer wieder das Eins-gegen-Eins, Dribbeln, Tricksen, Zweikämpfe. „Unsere Kinder können gut Fußball spielen, aber sie trauen sich noch nicht so viel. Sie sind einfach sehr lieb. Aber Fußball ist nun einmal ein Kontaktsport“, sagt Trimborn. Fast immer, wenn die Gegner es mit dem Kontaktsport wörtlich nahmen, setzt es Niederlagen. Beim Üben auf dem Kunstrasenplatz hinter den Hochhäusern wird gescherzt, gelacht und auch mal geweint. Alle lechzen nach Lob und Aufmerksamkeit. Die Jungen haben viel Respekt vor ihren Trainern. Und das muss so sein. Denn den beiden ist es bei aller Freude durchaus ernst. Trimborn sagt: „Wir wollen Leistungssport betreiben, der Spaß macht.“ Wer nur ein bisschen kicken will, ist bei ihnen falsch. Werner sagt: „Wir wollen keine Bundesligatrainer werden. Wir wollen die Kids fördern. Aber mit Anspruch und Niveau. Dabei gehören Fehler zur normalen Entwicklung des Kindes.“ Es hilft ihnen sehr bei der Arbeit mit der Mannschaft, dass sie beide selbst Väter sind.

Sie wollen einen gepflegten Fußball, der – etwas hoch gegriffen – der Spielidee der Nationalmannschaft folgt. Das heißt: Der Ball wird hinten heraus gepasst. Der Torwart rollt den Ball ab oder passt ihn. Es soll nicht nach vorn gebolzt werden. Zeitspiel ist verpönt. Tore mit der Pieke sind unerwünscht. Doch mit dem planvollen Spiel ist das so eine Sache bei Siebenjährigen. Es fehlt an Passhärte und Passgenauigkeit, und die meisten Gegentore resultieren aus der Fehleranfälligkeit im Aufbau. Simon Werner sagt: „Wir sind früher belächelt worden wegen unsere Art, alles spielerisch zu lösen. Aber das zahlt sich später aus. Es ist doch eine Ausbildung zum Fußball, keine zum Ergebnissport.“ Was hält die beiden Familienväter in ihrem Ehrenamt? Samstagsmorgens um 08.15 Uhr irgendwo im Speckgürtel Hamburgs, sonntags zur Mittagszeit in einer stickigen Schulturnhalle, den ganze Winter über bei Wind und Wetter draußen im Training? „Ich bin mit dem Fußball aufgewachsen. Ich finde es toll, Kindern etwas beizubringen“, sagt Simon Werner. „Sie schauen zu dir auf, sie wachsen dir ans Herz.“ Sein Freund und Kollege Sven Trimborn sagt: „Weil es uns Spaß macht. Wir haben Fußballerblut im Körper. Wir leben dafür.“ Es klingt kein bisschen kitschig.

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