Rundum Nachwuchsförderung

Hier finden Sie Artikel rund um das Thema Nachwuchsförderung, Interviews mit ehemaligen Preisträgern und spannende Einblicke in die Nachwuchsarbeit von Vereinen.

„Ich war damals kein auffälliger Spieler“: Sören Steinhaus vom TSV Bayer Dormagen

Sören Steinhaus von der TSV Bayer Dormagen ist frisch gebackener U-19 Europameister. Foto: TSV Bayer Dormagen
Sören Steinhaus von der TSV Bayer Dormagen ist frisch gebackener U-19 Europameister. Foto: TSV Bayer Dormagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der TSV Bayer Dormagen e.V. wurde 2021 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ ausgezeichnet. Der Handball-Zweitligist ist für seine gute Nachwuchsarbeit bekannt. Immer wieder gelingt Spielern aus der eigenen Talentschmiede der Schritt in die erste Mannschaft. Auch Sören Steinhaus (18) ging diesen Weg. Im Interview blickt der frisch gebackene U19-Europameister auf seine Entwicklung zurück. 

Was macht die Talentförderung in Dormagen aus? 


Unsere Nachwuchsarbeit ist von sehr starken Trainern geprägt. Dass wir wirklich extrem gute Jugendtrainer haben, sieht man auch daran, dass viele unsere Trainer irgendwann in Richtung 1. und 2. Bundesliga wechseln. Ansonsten wird extrem früh für das Leistungszentrum gescoutet und es wird jungen Spielern auch das Vertrauen gegeben. 

Woran zeigt sich das?


Man sieht es beispielsweise bei uns in der A-Jugend. In unserer Mannschaft spielen einige Spieler jüngeren Jahrgangs, die eigentlich noch in der B-Jugend sind. Dadurch, dass sie jetzt schon das Vertrauen bekommen, in der Jugendbundesliga zu spielen und dort Erfahrung sammeln können, entwickeln sie sich enorm weiter. Dass man den jüngeren Spielern derart vertraut, ist nicht in allen Vereinen selbstverständlich 

Wie sind Sie damals nach Dormagen gekommen?  


Ich wurde über die Kreisauswahl gesichtet, als ich noch für meinen Heimatverein TuS Niederpleis gespielt habe. Ich bin damals beim Probetraining aber nicht davon ausgegangen, dass ich jemals Leistungssport machen werde. Ich hatte mit meinen Eltern einfach besprochen, dass ich mir das Training mal anschaue - auch, wenn es wahrscheinlich nichts wird. 

Das Training und die professionelle Arbeitsweise haben mich jedoch enorm beeindruckt, weshalb ich mich für den Wechsel entschieden habe. Das war damals ein großer Schritt für mich. Seit dem zweiten C-Jugend-Jahr fahre ich nun täglich eine Stunde zum Training nach Dormagen.

Sportlich hat es sich gelohnt: Sie sind in diesem Jahr Deutscher Vize-Meister und U19-Europameister geworden und spielen inzwischen in der 2. Bundesliga. Ist das alles schon greifbar für Sie?  


Nein, es kommt mir immer noch ein bisschen unwirklich vor (lacht). Nach dem Titel bei der Europameisterschaft habe ich ein paar Tage später zu Hause gesessen und gedacht: „Wow, du bist gerade wirklich Europameister geworden.“ Das war ein krasses Gefühl, aber ich habe ja die Medaille tatsächlich zu Hause hängen und kann sie mir anschauen, wenn ich es mal wieder nicht fassen kann (lacht). 

Denn als ich damals nach Dormagen gegangen bin, war ich kein auffälliger Spieler. Ich habe mir zudem zweimal den Ellbogen gebrochen und bin jedes Mal ein halbes Jahr ausgefallen. Ich wurde in der B-Jugend in die zweite Mannschaft zurückgestuft. Doch trotz all dieser Rückschläge habe ich versucht, meinen Weg zu gehen - und gelernt, an mich zu glauben und hart zu arbeiten. 

Was bedeutet es Ihnen, dass Sie den Schritt in die 2. Bundesliga gemacht haben? 


Das ist eine große Auszeichnung und bedeutet mir sehr viel. Die 2. Bundesliga ist leistungsmäßig und körperlich eine ganz andere Nummer als die A-Jugend, es sind mehr Zuschauer da und es herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Ich gehöre dieses Jahr offiziell im Kader und es ist einfach cool, mit so erfahrenen Leuten zusammenzuspielen. Jede Sekunde in der 2. Bundesliga bringt mich weiter. 

Welche Ziele haben Sie sich für die aktuelle Saison gesetzt? 


In der 2. Bundesliga wollten wir eigentlich im oberen Mittelfeld mitspielen, doch danach sieht es aktuell nicht aus (zum Zeitpunkt des Interviews stand der TSV Bayer Dormagen auf dem vorletzten Platz der Tabelle, Anm. d. Red). Daher sollte es nun unser Ziel sein, den Abstieg zu verhindern. Persönlich will ich in der Liga Fuß fassen und mir Einsatzzeiten erarbeiten; außerdem wollte ich mein erstes Tor werfen. 

In der A-Jugend habe ich mir das Ziel gesetzt, einer der Leistungsträger zu sein und die Mannschaft zu führen. Sportlich wollen wir in der Deutschen Meisterschaft so weit wie möglich kommen. Wir haben einen extrem starken Jahrgang und hatten uns vor zwei Jahren in der B-Jugend schon gute Chancen in der Meisterschaft ausgerechnet, aber damals konnten wir die Saison coronabedingt leider nicht zu Ende spielen. Aktuell läuft es in der Zwischenrunde aufgrund von Verletzungssorgen nicht so gut, aber wir wollen in der K.O.-Runde wieder angreifen. 


Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie Kindern geben, die ebenfalls eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben? 


Ich würde jedem empfehlen, sich Ziele zu setzen und so hart wie möglich daran zu arbeiten, diese auch zu erreichen. Es wird immer Rückschläge geben - ob das eine Verletzung oder ein emotionaler Tiefpunkt sein wird -, aber das gehört dazu. Wenn man hart und viel trainiert und seine Ziele immer im Kopf hat, kann man es schaffen.
 

 

Das Top-Talent des Hamburger Golf-Clubs Tiger Christensen gewann 2021 die 81. German International Amateur Championship. Foto: DGV/stebl
Das Top-Talent des Hamburger Golf-Clubs Tiger Christensen gewann 2021 die 81. German International Amateur Championship. Foto: DGV/stebl

Der Hamburger Golf-Club e.V. wurde 2021 mit dem “Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ ausgezeichnet. Das in der Hansestadt ausgebildete Top-Talent Tiger Christensen wurde bei den Junioren-Europameisterschaften von einem College-Scout der Oklahoma State gesichtet. Im Interview spricht der 18-Jährige über den Reiz am Golf und seinen Schritt in die Vereinigten Staaten im Sommer. 
 

Was zeichnet die Nachwuchsarbeit in Ihrem Verein aus? 

Wir haben sehr viele Nachwuchsspieler - das sieht man sofort, wenn man auf den Platz kommt und dieser voll von Jugendlichen ist. Alle sind nach Leistungsstärke in die Trainingsgruppen eingestuft, sodass jeder das passende Training von seinem Coach bekommt. Diese Förderung ist wirklich stark. 
 

Wie sind Sie zum Golfen gekommen? 

Mein Dad hat mir Plastikschläger geschenkt, als ich noch klein war und ich habe damit Dinge durchs Haus geschlagen (lacht). Als ich dann das erste Mal auf den Golfplatz gekommen bin, hat es so viel Spaß gemacht, dass ich nicht mehr aufgehört habe …
 

Was macht den Reiz aus? 

Es macht Spaß, die Verbesserung zu sehen; das ist für mich das beste Gefühl im Golf. Am Anfang, da werden mir wahrscheinlich viele Leute zustimmen, ist jeder gute Schlag ein gutes Gefühl. Aber irgendwann freut man sich nicht mehr über jeden guten Ball. Auch, wenn das abgehoben klingt. Jetzt machen die Momente den Spaß aus, in denen man das Ergebnis seine Arbeit sieht, wenn man sein Short Game verbessern konnte oder einen neuen Schlag mit mehr oder weniger Spin beherrscht.
 

Was war das bisherige Highlight in Ihrer Karriere? 

Wir haben in diesem Jahr die Team-Europameisterschaft in der Altersklasse U18 gewonnen. Wir waren zu sechst und haben das Turnier schon fast dominiert. Das war eine mega-geile Erfahrung. 
 

Welches Ziel haben Sie sich für Ihre Karriere gesetzt? 

Mein größtes Ziel ist es, auf die Tour zu kommen und so viele Majors wie möglich zu gewinnen und im besten Fall natürlich irgendwann die meisten Majors zu haben, die je jemand gewonnen hat. Das ist natürlich ein langer Weg aus vielen kleinen Zielen, die sich aneinanderreihen. Ich will einen Schritt nach dem anderen machen. 
 

Wie wichtig war der Umzug in die USA, um dieses Ziel erreichen zu können? 

Das war extrem wichtig, denn die Priorität dort liegt auf dem Golfen. Man hat die höchste Konkurrenz, die man in diesem Alter haben kann und man ist auf den besten Golfplätzen unterwegs. Das hilft alles, um sich weiterzuentwickeln. Außerdem spielt man einfach extrem viel Golf. Ich bin dreimal die Woche morgens im Gym, habe danach ein, zwei Stunden Unterricht und fahre dann direkt zum Golfplatz. Nach dem Mittagessen spiele ich den ganzen Tag Golf, bis ich abends nach Hause komme. Daher kommen auch viele Profi-Golfer vom College. 
 

Wie schwierig war der Schritt weg von zu Hause?  

Es war kein leichter Schritt, Amerika ist schon sehr anders. Ich versuche, in den Ferien so oft wie möglich zurückzukommen, weil ich Deutschland schon sehr vermisse und auch das deutsche Essen fehlt mir (lacht). 
 

Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie Kindern und Jugendlichen geben, die eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben? 

Es ist wichtig, sich frühzeitig international zu messen und Erfahrungen auf Wettkämpfen im Ausland zu sammeln. Im Golf sind die Plätze im Ausland beispielsweise anders, aber man kann auch in jeder anderen Sportarten sehen, wie andere Länder trainieren und was sie vielleicht besser machen. Ich war damals früh in England, das hat mir sehr geholfen. Ansonsten ist es wichtig, dranzubleiben, sich Ziele zu setzen - und sich jeden Tag zu sagen, dass man es schaffen kann! 
 

Florian Schirutschke trainiert seit zehn Jahren Kinder- und Jugendgruppen bei der Sektion Allgäu-Kempten im Sportklettern. Foto: privat
Florian Schirutschke trainiert seit zehn Jahren Kinder- und Jugendgruppen bei der Sektion Allgäu-Kempten im Sportklettern. Foto: privat

Die Sektion Allgäu-Kempten des Deutschen Alpenvereins e.V. wurde 2021 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ ausgezeichnet. Florian Schirutschke (47) ist seit zehn Jahren Jugendtrainer in Kempten, aktuell betreut er zwei Trainingsgruppen für Kinder und Jugendliche von 11 bis 15 Jahren. Schirutschke spricht im Interview über die Nachwuchsarbeit und die Entwicklung der Abteilung…  

 

Was zeichnet die Nachwuchsarbeit in Ihrem Verein aus? 

Wir versuchen, die Kinder ihrer Altersgruppe gemäß zu fördern und zu fordern. Als Grundphilosophie unserer Trainingsarbeit dient uns dabei das LTAD-Modell (Long-Term-Athlete-Development, Anm. d. Red.), das die ganzheitliche Entwicklung des Athleten berücksichtigt. Ziel ist es, die Kinder ein Leben lang für den Sport zu begeistern und damit Drop-outs zu vermeiden. Außerdem versuchen wir in unseren Gruppen, den Übergang vom Leistungs- zum Breitensport fließend zu gestalten, was jedoch manchmal aufgrund unterschiedlicher Anforderungen an das Training nicht ganz so einfach ist. 

 

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Abteilung in den letzten Jahren?  

Insgesamt merkt man eine deutliche Professionalisierung im Klettersport allgemein sowie im Training im Speziellen. Wir haben in der Sektion versucht, diese Entwicklung mitzugehen. So haben wir als erste DAV-Sektion in Deutschland einen hauptamtlichen Leistungstrainer eingestellt. Hier konnten wir den amtierenden Bundestrainer, der seit Jahrzehnten Mitglied bei uns ist, gewinnen. Mit seiner Hilfe wollen wir die Nachwuchsarbeit im Alter von 9-13 Jahren noch stärker in den Fokus rücken.  

Außerdem haben wir unseren Trainerpool an ehrenamtlichen Trainern noch einmal vergrößert und konnten so weitere Leistungsgruppen ins Leben rufen. Mit einer Sichtung haben wir hierfür neue Talente gesucht und sind gespannt, wie sie sich in den nächsten Jahren entwickeln. Leider hat die Corona-Pandemie die positive Entwicklung etwas gebremst, aber momentan erscheinen die Aussichten ja positiver 

Als nächstes großes Ziel wollen wir nun noch die Trainingsbedingungen für den Leistungssport verbessern. In einer Kletterhalle, die vorrangig vom Breitensport genutzt wird, ist das Leistungstraining nicht immer einfach und oft mit vielen Störfaktoren verbunden. Das ist dann oftmals so, als würde ein Leistungstraining in einem öffentlichen Schwimmbad zwischen allen Hobbyschwimmern durchgeführt.   

 

Was waren für Sie als Trainer die größten Erfolge? 

Ich glaube, auf unserer Ebene sind es nicht nur die Titel, die stolz machen. Für mich zeichnet vor allem die längerfristige Begleitung von Athleten die Tätigkeit als Trainer aus - zu sehen, wie sich jemand entwickelt; sei es leistungsmäßig, mental oder auch persönlich. Manchmal ist man stolzer darüber, dass ein Kind beispielsweise seine Sturzangst überwunden hat oder selbst andere Gruppen anleitet und seine Begeisterung für den Sport weitergibt als auf einen Wettkampfgewinn. 

 

Haben Sie im Verein schon Pläne, wie das Preisgeld investiert werden soll?  

Wir werden mit dem Preisgeld weitere leistungssporttaugliche Klettergriffe anschaffen und eine eigene Trainingswand damit bestücken. Außerdem wollen wir vielleicht noch eine interne Schulung für die Leistungstrainer durchführen und uns für einen Workshop einen externen Klettertrainer oder Mentaltrainer einladen.  

 

Seit Beginn der Pandemie war ein normales Vereinsleben monatelang nicht möglich, viele Vereine befürchteten einen Mitgliederschwund. Aus Ihrer Sicht: Was macht den Sport im Verein wertvoll?  

Nach allen Zoom- bzw. Videokonferenzen haben wir gelernt, dass der direkte menschliche Kontakt durch nichts zu ersetzen ist. Hier ist der Verein sicher eine tolle Plattform für Begegnungen. Auch die Begegnung auf einer sportlichen Ebene - unabhängig von Herkunft, Alter und sozialem Status -  ist sicher ein wertvolles Element der Vereinsarbeit.  

 

Welchen Rat bzw. Tipp würden Sie Kindern geben, die eine erfolgreiche sportliche Karriere anstreben? 

Ich denke, im Kindesalter ist eine breite sportliche Ausbildung wichtig, aber ab einem bestimmten Alter sollte man sich für eine Sportart entscheiden und diese dann fokussiert betreiben. Auch von kurzfristigen Rückschlägen darf man sich nicht entmutigen lassen. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Freude nicht zu kurz kommt. Ein Training ohne Spaß ist kein gutes Training.