World Games in Breslau sind "ein Zeichen für die Vielfalt des Sports"

Annalena Sturm und Blanca Birn (links) wurden 2013 Vizeweltmeister in der Altersklasse U18. Das Duo des 1. FZC Blau-Weiß Phlippsburg startet ab morgen bei den World Games. © Verein

Von A wie AirSports über F wie Faustball bis W wie Wassersport: Wenn am 20. Juli die 10. World Games im polnischen Breslau starten, treffen Traditions- und Trendsportarten aufeinander. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie gehören (noch) nicht oder nicht mehr zum Programm der Olympischen Spiele. Die Bedeutung der Weltspiele mindert das nicht für die mehr als 3.500 Athletinnen und Athleten aus 111 Nationen: Für sie geht mit der Teilnahme ein Traum in Erfüllung.

Von Julia Nikoleit/ Medienmannschaft


Das deutsche Team in Breslau besteht aus 186 Sportlerinnen und Sportlern, die in 26 der 31 Disziplinen an den Start gehen. „Unter dem Motto ‚Wir für Deutschland‘ wird eine starke Mannschaft mit guten Aussichten in die Wettkämpfe gehen und dabei gleichzeitig ein Zeichen für die Vielfalt des Sports setzen“, zeigt sich Dirk Schimmelpfennig, DOSB-Vorstand Leistungssport und Delegationsleiter in Breslau, voller Vorfreude, „die World Games sind die größte Bühne für viele unserer Traditions- und Trendsportarten“. Lediglich im Beachhandball, Kickboxing, Floorball, Flying Disc und Lacrosse sind keine deutschen Teilnehmer dabei.

Die World Games finden alle vier Jahre statt, jeweils im Jahr nach den Olympischen Sommerspielen. Verantwortlich für die Ausrichtung ist die International World Games Association (IWGA), das Internationale Olympische Komitee (IOC) übernimmt die Schirmherrschaft. Das Programm der World Games setzt sich aus den offiziellen, von der IWGA beschlossenen Wettkampfsportarten und den so genannten Einladungssportarten zusammen, über welche die Ausrichterstadt entscheidet. Baseball/Softball, Karate, Sportklettern und Surfen werden in Polen vorerst zum letzten Mal ausgetragen, die vier Sportarten gehören ab 2020 zum olympischen Programm. Neu bei den World Games sind hingegen Floorball, Lacrosse und Muaythai (Thaiboxen), Breslau wählte zudem American Football, Kickboxing, Motorsport und Rudern.

Es war eine Entscheidung, die im rund 900 Kilometer entfernten Saarbrücken für Freude sorgte. Die dort beheimateten Saarland Hurricanes gehören zu den deutschen Spitzenvereinen im American Football und wurden 2013 für ihre Nachwuchsarbeit mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung’ ausgezeichnet. Alexander Haupert und Leon Helm wurden bei den ‚Canes’ groß, ihnen gelang der Sprung aus dem Jugendbereich in die German Football League und die Nationalmannschaft. „Es ist einfach eine große Familie, in der man sich kennt“, schwärmte Quarterback Haupert im vergangenen Jahr von seinem Verein.

Die beiden Footballer aus dem Saarland sind zwei von insgesamt 28 Mitgliedern des deutschen Teams, die aus einem Verein kommen, der in den vergangenen 20 Jahren mit dem ‚Grünen Band’ ausgezeichnet wurde. Jeder von ihnen bringt eine interessante Geschichte mit nach Breslau: Rollkunstläufer Markus Lell vom REV Heilbronn (prämiert 1988 und 1999) gewann 2013 bei den World Games in Cali/Kolumbien bereits die Silbermedaille.

Ebenfalls eine Silbermedaille – bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro – hat Lisa Unruh vom BSC BB-Berlin (1995, 2001, 2008) in ihrer Vita stehen; die 29-Jährige, die sich in Brasilien mit dem Recurvebogen auf das Podest schoss, tritt in Breslau im Feldbogenschießen an. Und für Sina Wall und Raphael Kandra werden die World Games quasi die Hochzeitsreise; die beiden Nationalspieler des Paderborner Squash Clubs (1999, 2007, 2015) gaben sich nicht einmal eine Woche vor dem Start der Weltspiele das ‚Ja-Wort’.

Neben Wall und Kandra stellt der Paderborner Squash Club in Franziska Hennes und Simon Rösner zwei weitere Athleten für Breslau. Das Quartett reist mit Rückenwind an, im Mai gewannen sowohl die Männer als auch die Frauen des PSC bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften die Goldmedaille - zum dritten Mal in Folge.

Für die Paderborner und Coach Oliver Pettke ist die Teilnahme an den World Games eine besondere Ehre. „Man hat nur alle vier Jahre die Möglichkeit teilzunehmen“, erklärte der Squash-Bundestrainer gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Es ist für alle die Chance, einmal in der Öffentlichkeit zu stehen.“ Der PSC stellt mit vier Athleten die zweitgrößte Abordnung aus der Riege der 13 in Breslau vertretenen Gewinner-Vereine. Spitzenreiter sind die 2003 prämierten Sportfreunde Goldscheuer, die in Anke Precht, Martin Higel, Christian Egg, Andreas und Daniel Fien, Christoph Beckert, Christian und Eberhard Bartmann, Heinrich Biegert sowie Philipp und Andreas Berl die Hälfte der der 22-köpfigen Tauzieh-Nationalmannschaft stellen.

2013 in Cali gewann das deutsche Team 15 Gold-, sieben Silber- und acht Bronzemedaillen und beendete die World Games damit auf dem vierten Platz der Nationenwertung hinter Italien, Russland und Frankreich. Delegationsleiter Schimmelpfennig ist optimistisch, an die Leistung anknüpfen zu können und versprach: „Wir werden eine attraktive Mannschaft erleben und auf den vorderen Plätzen mitspielen.“

Die Athleten aus prämierten Vereinen

1. FZC Blau Weiß Philippsburg - Annalena Sturm, Blanca Birn - Ju-Jutsu - Auszeichnung: 2006, 2014

BSC BB-Berlin - Lisa Unruh - Feldbogenschießen - 1995, 2001, 2008

Deutscher Alpen-Verein, Sektion München/Oberland - Monika Retschy - Sportklettern / Bouldern - 2005

DLRG Beckum-Lippetal - Sophia Bauer - Rettungsschwimmen - 2006, 2012

Dresdner Sportclub 1898 - Tim Sebastian - Sportakrobatik - 2011

Paderborner Squash Club - Franziska Hennes, Raphael Kandra, Simon Rösner, Sina Wall - Squash - 1999, 2007, 2015

REV Heilbronn - Markus Lell - Rollkunstlauf - 1988, 1999

RSV Blau Weiss Gera - Josie Elisabeth Hofmann - Speedskating - 2001, 2010

Saarland Hurricanes - Alexander Haupert, Leon Helm - American Football - 2013

SC DHfK Leipzig - Florian Kritzler - Flossenschwimmen - 2005, 2012

SC Riesa - Michail Kraft - Sportakrobatik / Herren Paar - 2002

Sportfreunde Goldscheuer - Anke Precht, Martin Higel, Christian Egg, Andreas Fien, Daniel Fien, Christian Bartmann, Eberhard Bartmann, Christoph Beckert, Philipp Berl, Andreas Berl, Heinrich Biegert - Tauziehen - 2003

TSV Chemie Premnitz - Andreas Gripp - Bowling - 1996